Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![weiterer Bau, doch dieſer war nicht zur Aufnahme von Inſaſſen beſtimmt, ſondern ſollte dem Pfarrer, der bisher außerhalb des Georgenhauſes in der Stadt gewohnt hatte, und dem Leiter der Manufaktur als Wohnſtätte dienen. Dieſes Gebäude war errichtet auf dem Boden des ſchon erwähnten Opernhauſes (auch Daniel Siegfriedſche Haus genannt), das vom Georgenhaus 1730 für 5050 Taler erkauft worden war. Die Baukoſten waren unverhaltnis- mäßig hohe, ſie betrugen 21000 Taler [R.], wobei der Rat die Bau- und Ziegelſteine unentgeltlich geliefert hatte. Mit dieſem Bau war für ein halbes Jahrhundert die Bautätigkeit des Georgenhauſes abgeſchloſſen. Es umfaßte 3 Hauptgebäude, 2 zur Aufnahme der Inſaſſen beſtimmt, das dritte diente als Kirche, Manufaktur und Verwaltungsgebäude. Einige weitere kleinere Gebäude dienten der Bewirtſchaftung. Die Anſtalt erfreute ſich der Zuneigung der Bürger. Wir haben dies ſchon beobachten können an den Beiträgen, die dem Neubau von 1700/01 zugewendet wurden, vor allem können wir dies erſehen aus den Stiftungen, die im 18. Jahrhundert wieder dem Georgenhaus zuzufließen begannen. Dabei wurden vor allem die Waiſenkinder bedacht, deren Los man zu beſſern ſuchte. Außer Geldſtiftungen fielen der Anſtalt auch andere Vermächtniſſe zu, ſo z. B. 1708 eine Mühle, die jedoch bald wieder verkauft wurde [Stiftungsbuchl. Die weitere Entwicklung des Georgenhauſes zeigt ein langſames, aber ſtetiges Wachstum, das nur einmal durch den Siebenjährigen Krieg unterbrochen wird. Dieſes Wachstum erſtreckt ſich jedoch nur auf die den verſchiedenen Inſaſſen geleiſtete Hilfe, nicht aber in wirtſchaftlicher Hinſicht, denn von den dreißiger Jahren des 18. Jahr— hunderts ab iſt die Anſtalt nicht mehr imſtande ihre Ausgaben aus ihren Einnahmen zu decken und iſt gezwungen, die Hilfe des Rates in Anſpruch zu nehmen, der durch jährliche Beihilfen die Fehlbeträge decken muß. Daß das Georgenhaus anfangs regelmäßig mit Ueber— ſchüſſen wirtſchaftete und von einer beſtimmten Zeit ab ebenſo regel— mäßig und in ſteigendem Grade ſich nicht mehr ſelbſt erhalten konnte, dafür iſt folgendes die Urſache geweſen. Die Anſtalt war eingerichtet worden mit der Beſtimmung, ſich ſelbſt erhalten zu können. Dies war erreicht worden durch Bezahlung oder Erarbeitung der Ver— pflegungskoſten. Bei den Waiſenkindern jedoch war dies faſt aus— geſchloſſen und konnte bei den Armen und Verſorgten, die zur Arbeit nur bedingt tauglich waren, auch nur teilweiſe erreicht werden. So war bald für alle ein Zuſchuß nötig, da auch die Raſpelarbeit der Gefangenen nicht mehr fo einträglich war. Dieſer Zuſchuß) betrug 1) 1730 hatte das Georgenhaus etwa 230 Inſaſſen, 120 Waiſenkinder, 60 Arme oder Verſorgte, 50 Gefangene. Die Geſamtausgaben betrugen in dieſem Jahre 9802 Taler, alſo durchſchnittlich auf jeden Inſaſſen monatlich](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0031.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


