Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![b) Das Waiſenhaus. In den bisherigen Ausführungen haben wir die Entwicklung des Georgenhauſes als ein Ganzes zuſammenzufaſſen verſucht. Was die wirtſchaftliche Grundlage, die Verwaltung, die äußeren Ereigniſſe anbelangt, ſo waren dieſe den verſchiedenen Inſaſſen⸗ gruppen, die zuſammen das Georgenhaus bildeten, gemeinſam; da— neben führte aber jede Gruppe ein ſeiner Eigenart entſprechendes Daſein, das wir in den folgenden Abſchnitten kennen zu lernen trachten werden, die dementſprechend jede Gruppe geſondert behandeln müſſen. Während der Jahre 1631 —868, in denen das Georgenhoſpital ſeine Wirkſamkeit eingeſtellt hatte, waren die Waiſenkinder in Familien in Pflege gegeben worden [R.]. Man machte aber mit dieſer Art der Verſorgung ſchlechte Erfahrungen, denn viele Pflege— eltern zogen die ihnen anvertrauten Kinder zum Erwerb heran; oft werden ſie nicht ſonderlich gut behandelt worden ſein, und in den Unterricht werden die Eltern die Kinder auch nicht häufig geſchickt haben. Wie in anderen Städten, ſo war auch hier in Leipzig das Bedürfnis nach einem unter ſtädtiſcher Leitung ſtehenden Waiſen— hauſe vorhanden, und ſo ſehen wir, daß bald nach der Neugründung des Georgenhauſes mit dieſem ein Waiſenhaus verbunden wurde. 1667 waren es 7 Kinder, die in Pflege gegeben waren, im Alter von 3 bis 8 Jahren [R.]. Diejenigen, die das ſchulpflichtige Alter (6 Jahre) noch nicht erreicht hatten, ließ man bei Bürgern in Pflege, die anderen brachte man 1670 im umgebauten alten Georgenhauſe unter, wobei es ſich natürlich nur um die Findel- und die armen Waiſenkinder handelte. Die Aufſicht war geteilt: die Unterrichts— ſtunden gab ein Lehrer (informator, ein Kandidat der Theologie, der auf ein geiſtliches Amt wartete), der außer freier Verpflegung wöchentlich 12 gr. erhielt [III A. 110]; außerhalb der Schulſtunden unterſtanden die Kinder der Sorge des Hausvaters und der Hausmutter. Der Unterricht, außer den Betübungen täglich zwei Stunden, beſchränkte ſich auf Leſen und Schreiben, für die Größeren bildete der Katechismus den Mittelpunkt des Unterrichts [III A. 110]. Immerhin waren dieſe Kinder in bezug auf den Unterricht bei weitem beſſer geſtellt, als die anderen Bürgerkinder, die im beſten Falle bei einem Winkelſchullehrer in die Schule gingen, mit Aus— nahme derer, die die beiden Stadtſchulen beſuchten, die gleichzeitig Elementarſchulen waren.“) In dem ganzen Erziehungsplane ſpielt das wirtſchaftliche Moment eine bedeutende Rolle. Das Georgenhaus ſollte möglichſt auf eigenen Füßen ſtehen und dies ſollte erreicht werden durch ) Mangner, Leipziger Winkelſchulen, Leipzig 1906.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0044.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


