Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![eigenes Vermögen hatten; Erbſchaften fielen der Anſtalt zu, dafür beſtritt ſie alle die von den Kindern verurſachten Koſten einſchließlich der Einzahlungsgebühren beim Eintritt in die Lehre [R.]. Die Mädchen wurden von Leipziger Bürgern in Dienſt ge— nommen [III A. 43]. Sie erhielten zu dieſem Zwecke das letzte Jahr, das ſie im Georgenhaus zubrachten, von der Hausmutter Unterweiſung in allen weiblichen Beſchäftigungen, und es ſcheint auch, daß man die Mädchen gern nahm, wenigſtens ſtellte man nicht, wie bei Knaben, beſondere Anforderungen. 1701 ſiedelten die Inſaſſen des Georgenhauſes in das neue Gebäude am Brühl über; die Zahl der Kinder betrug 24 [III A. 21; Vogel: Annalen], doch ſollte fie raſch zunehmen, im folgenden Jahr hatte ſich die Zahl verdoppelt, 1727 waren 120 Kinder untergebracht. Dieſe Zunahme bedingte auch eine Vermehrung der Lehrer. Ihre Zahl ſtieg von 2 auf 4, und ihnen lag ob, die Kinder zu beſchäftigen und dieſen die Anfangskenntniſſe beizubringen. Sie wohnten in der Anſtalt, erhielten auch hier ihre Beköſtigung und 1710 30 fl. Be— ſoldung [III A. 110 B]. Für die größeren Kinder war ein Schul— meiſter angeſtellt, der jedoch außerhalb des Georgenhauſes wohnte; dieſer gab täglich 2 Stunden im Leſen, Schreiben und Rechnen. Als Beſoldung erhielt er 80 Taler [R.]. Schließlich wurden die Kinder vom Kantor der Georgenkirche im Singen unterrichtet. Die noch nicht ſchulpflichtigen Waiſenkinder wurden nach wie vor bei Familien in Pflege gegeben. Je weiter wir ins 18. Jahrhundert eintreten, um ſo mehr be— merken wir, daß das Los der Waiſenkinder ſich der allgemeinen Anteilnahme erfreut und ſich mehr und mehr verbeſſert. Hatten wir geſehen, daß anfangs auch das Leben der Waiſenkinder von dem Geſichtspunkte geleitet wurde, die Anſtalt keine Laſt für die Stadt werden zu laſſen, traten jetzt immer mehr die wirtſchaftlichen Momente in den Hintergrund. Zuerſt wendete man der Nahrung mehr Aufmerkſamkeit zu; hier ſetzten die Stiftungen [Stiftungsbuch! Leipziger Bürger ein, bis ſchließlich den Kindern dieſelbe Verpflegung gewährt wurde, wie den Irren und Verſorgten, die teilweiſe recht anſehnliche Summen zu ihrer Unterhaltung beitragen mußten und die dementſprechend auch gut beköſtigt wurden. Der Rat folgte dem durch die Stiftungen gegebenen Beiſpiele und bezahlte ſchließlich jährlich eine feſte Summe dem Georgenhauſe zur beſſeren Ver— pflegung der Waiſenkinder (anfangs 400 Taler, ſpäter zeitweiſe 600) [R.]. Die Zahl der Stunden, in denen die Kinder für ihren Unter- halt zu ſorgen hatten, wurden immer mehr verkürzt, dafür aber Sorge getragen, daß die körperliche Entwicklung nicht vernachläſſigt würde. Doch wurden dieſe Geſichtspunkte erſt gegen Ende des 18. Jahrhunderts mehr betont, nachdem die Beſtrebungen überall mehr Eingang gefunden hatten, die eine gute körperliche Ausbildung](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0046.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


