Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![neben der geiſtigen für die Kinder forderten und die beſonders durch die Philanthropiſten vertreten wurden. Durch die verſchiedenen Er— weiterungen des Georgenhauſes hatte man auch für große Schul— ſtuben, Arbeitsräume, Schlafſäle geſorgt [III A. 98]. Zugleich war man beſtrebt, den Verkehr der Knaben und Mädchen auf das Mindeſt— maß der Schulſtunden zu beſchränken: die Mädchen hatten ihren eigenen Hof, Arbeitsräume und zu verſchiedenen Malen ergehen Verordnungen, die eine möglichſte Trennung der beiden Geſchlechter bezwecken [III A. 14]. Man war ſomit redlich bemüht, das Los der Kinder nach Möglichkeit zu beſſern, und die zeitgenöſſiſchen Berichte bezeugen, daß für damaliges Empfinden die Anſtalt als gut und ſegensreich gehalten wurde. Einen Schritt nach vorwärts tat vor allem der Vorſteher Friedrich Ludolph Hanſen (1792 —1803 Vorſteher), der ſowohl die Erziehung, als vor allem den Unterricht neu regelte. Ihm ſchwebte als Muſter die Einrichtung der Leipziger Freiſchule (ſpäter Ratsfreiſchule) vor, die allen bisherigen Schulen gegenüber ſchon von den Zeitgenoſſen als ein bedeutender Fortſchritt angeſehen wurde. Dazu kam, daß 1793 ihm das Vorſteheramt des in dem— ſelben Jahr gegründeten Arbeitshauſes für Freiwillige übertragen worden war. Mit dieſer Anſtalt war eine Schule verbunden worden, die von ihm und Plato, dem Direktor der Ratsfreiſchule, nach dem Muſter der Freiſchule eingerichtet wurde. Ihm lag nun daran, auch dem Waiſenhauſe den Segen der neuen Schuleinrichtung teil— haftig werden zu laſſen. War die bisherige keineswegs als mangel— hafte zu bezeichnen im Vergleich mit allen den Kindern, die bei Winkelſchullehrern zur Schule gingen, ſo fehlte es doch an einer Einheitlichkeit des Lehrplans und einer geregelten Stufenfolge. So kam 1794 mit Genehmigung des Rates ein Lehrplan) zuſtande, das Werk des Vorſtehers und des Direktors Plato. „Die Waiſen ſollen eine gleichmäßige Ausbildung aller Kräfte der Seele und des Leibes unter zweckmäßiger diſziplinariſcher Gewöhnung erhalten. Unter jener Ausbildung verſtehe ich nicht einen falſchen Anſtrich von Vielwiſſerei, nicht Richtung der Seelen— kräfte auf fruchtloſe und ſpekulative Kenntniſſe, auch keine Ver— ſchraubung ihres geſunden Menſchenverſtandes und ihrer von dem Schöpfer verliehenen Naturgefühle, ſondern ich verſtehe eine ſolche Bildung ihres Verſtandes und Herzens, wie ſie der Lage und dem Bedürfnis ſolcher armen Kinder angemeſſen iſt, damit ſie als chriſtlich— religiöſe und chriftlich-tugendhafte Menſchen dereinſt denken, empfinden, handeln und dulden mögen.“ „Da die Beſtimmung der Kinder doch nur ſein kann, daß ſie ſpäter einmal dienen müſſen oder ein 1) III A. 43. Educationsplan für die Wayſen beider Geſchlechter im Georgenhaus zu Leipzig. Vgl. auch Mangner, Leipziger Winkelſchulen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0047.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


