Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![auf das Anwachſen des Hoſpitals um 1600 iſt durch den Dreißig— jährigen Krieg ein Rückſchlag erfolgt, der eine Aenderung der Auf— gaben, die die Anſtalt zu erfüllen hatte, herbeiführte. Um 1600 beſtand das Hoſpital aus 3 Häuſergruppen: das Oberhaus bildete mit dem Pfarr- und Verwaltungsgebäude, Scheunen und Ställen den Mittelpunkt und lag abſeits von dem Grimmaiſchen Steinweg, mit dieſem durch einen beſonderen Wirtſchaftsweg ver— bunden. Nördlich davon durch den Friedhof getrennt lag das Nieder— haus und auf der anderen Seite des Grimmaiſchen Steinwegs der ſog. Scheunenhof mit dem Feldhaus. Unter den Einnahmen, durch deren Anwachſen dieſe Er— weiterungen ermöglicht wurden, nahmen die Zinſen die erſte Stelle ein. Von den übrigen Einnahmepoſten ſind beſonders zu erwähnen die fog. Erbegelder.!) Beſtand eine Erbſchaft in einem ſtädtiſchen Grundſtück, ſo hatte gewöhnlich keiner der Erben die Mittel, durch Uebernahme des Hauſes die anderen auszuzahlen. Da half das Johannishoſpital aus, indem es ſich die Forderung der Miterben gegen eine Barzahlung abtreten ließ, die natürlich geringer war, als das wirkliche Erbe. Derjenige, der das Haus übernommen hatte, mußte dann die Forderungen, die an das Hoſpital übergegangen waren, allmählich abzahlen. Unbedeutend, wenigſtens gegenüber den Zinseinnahmen, waren damals noch die landwirtſchaftlichen Erträg— niſſe, die zum großen Teil zur Beköſtigung der Inſaſſen verwendet wurden. Das Uebrige wurde verkauft, doch war der erzielte Ueber— ſchuß gering, da davon die Erntearbeiter entlohnt werden mußten, die nur während des Sommers im Hoſpital tätig waren. Der Beſitz der Anſtalt an guten Feldern war noch nicht beträchtlich; 1584 belief er ſich auf 145 Acker, faſt alles Felder in der Nähe des Hoſpitals, zwiſchen dem Hoſpital, der Sandgrube, dem Thonberg und Reudnitz gelegen. Wie dieſe Felder in den Beſitz des Hoſpitals gekommen find, darüber find wir nur in den wenigſten Fällen unter— richtet, ein Teil iſt geſchenkt, der andere erkauft worden. Dieſer Landbeſitz war durchweg ſteuerfrei, da das Hoſpital als pia causa betrachtet wurde und infolgedeſſen auf ſeinem Beſitz keine Abgaben laſteten [II, 4]. Zu dieſen Feldern kamen 10 Acker Wieſen am Barfußpförtchen (die ſog. Barfüßer⸗ oder Hoſpitalwieſen), die das Hoſpital 1586 erkauft hatte, die jedoch 1660 gegen 10 Acker Wieſen im Roſental vertauſcht wurden [II, 140]. Weiterhin beſaß das Hofpital die Sand⸗ und einige Tongruben. Die Sandgrube lag ſüdlich von der Anſtalt etwa bis an die heutige Liebigſtraße. Zur Beaufſichtigung des Abbaues war ein ſog. Sandwerfer angeſtellt, der die Hälfte der aus dem Verkauf des Sandes erzielten Einnahmen als Beſoldung erhielt [II, 140J. Der an den Rat der Stadt gelieferte ) Geffken, Das Johannishoſpital. Leipz. Zeitung 23. II. 1897. Nr. 23.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0079.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


