Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![bedeutet auch einen Wendepunkt in der Entwicklung des Hoſpitals, inſoweit als ſie einer, und zwar nur einer, neuen Aufgabe ſich zu— gewendet hat, den bejahrten Bürgern einen ruhigen Lebensabend zu verſchaffen. Durch das Geſchick tatkräftiger Vorſteher wird durch Schaffung einer feſten wirtſchaftlichen Grundlage das Johannishoſpital zu einer der ſegensreichſten Anſtalten der Stadt Leipzig. Der durch den Dreißigjährigen Krieg verurſachte Niedergang des Hoſpitals war bedingt durch eine Veränderung und Ver— ſchlechterung der wirtſchaftlichen Lage. Die Einnahmen gingen zurück, die Ausgaben wuchſen in den Zeiten der Not, ſo daß ſich der Rat genötigt ſah, den jährlichen Fehlbetrag durch Zuſchüſſe zu decken [R.]. Vor allem hatte das Hoſpital durch das Erſcheinen der Feinde zu leiden; kam dieſer in die Nähe der Stadt, fo mußten die Vor- ſtädte geräumt werden, die dann niedergebrannt wurden, um dem Feinde keine Unterkunft gewähren zu können. Dieſer hatte natürlich das entgegengeſetzte Beſtreben, und fo kam es, daß 1631 die Hofpital- gebäude nur durch das plötzliche Erſcheinen der Feinde erhalten blieben, die die ſchon brennenden Gebäude löſchten; nur das neue Haus wurde ein Raub der Flammen [Vogel Annalen]. Als der Feind wieder abgezogen war, erbaute man das Haus von neuem, jedoch aus Geldmangel mit ſchlechtem Baumaterial. Der Bau war um ſo drängender, als infolge der Zerſtörung des Georgenhauſes auch deren Inſaſſen im Johannishoſpital untergebracht werden ſollten. Doch auch nach 1631 blieb die Anſtalt von den Heimſuchungen durch die Feinde, beſonders von den Schweden, nicht verſchont. 1633 fand in unmittelbarer Nähe des Hoſpitals ein Scharmützel ſtatt, 1636 mußten die Vorſtädte geräumt werden, doch blieb es diesmal dabei, da der Feind vorbeizog. Im nächſten Jahre wurde das Hoſpital wiederum von den Schweden geplündert [R.], dabei gerieten die Gebäude in Flammen, es brannte jedoch nur eine Scheune nieder. Die geſunden Inſaſſen wurden während ſolcher Zeiten in der Stadt untergebracht, die Kranken dagegen ließ man im Hoſpital zurück, wo ſie alle Mißhandlungen der Feinde dulden mußten. Der Vorſteher rettete manchmal das Hoſpital von ſolchen Heimſuchungen, indem er ſich an den Befehlshaber wandte und für viel Geld von dieſem eine „Salva guardi“ erbat, die aber auch nur einen unſicheren Schutz bedeutete [z. B. R. 1643]. Die Folge dieſer Ereigniſſe war, daß die Zahl der Inſaſſen raſch ſank. Die geringe Sicherheit, die der Aufenthalt im Hoſpital bot, konnte nur den Aermſten bewegen, im Hoſpital um Aufnahme nachzuſuchen; dazu kam, daß man infolge des Sinkens der Ein— nahmen auch die Ausgaben verringern wollte, und dies nur zu er— reichen war durch eine geringere Zahl von Inſaſſen. Dieſe Urſachen bewirkten, daß die Zahl der Inſaſſen gegen Ende des Krieges auf die Hälfte zurückgegangen war. ;](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0082.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


