Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![An den Folgen dieſes verhängnisvollen Krieges hatte das Hoſpital noch lange zu leiden. Erſt ganz allmählich gelang es durch größte Sparſamkeit die Anſtalt wieder in wirtſchaftlicher Hinſicht auf eine ſichere Grundlage zu bringen. Dazu trug bei, daß die Vorſteher in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die ſich wieder einſtellenden Ueberſchüſſe anders anlegten, als wie es früher geſchehen war: man verwendete den Ueberſchuß zum Ankauf von Feldern. Es waren vor allem die Vorſteher Georg Ullrich Welſch (166062, 1667—69 Vorſteher) und Georg Winckler (16831709 Vorſteher), die in dieſer Hinſicht das Hoſpital zu fördern ſuchten. Sie erweiterten den Landbeſitz der Anſtalt um rund 100 Acker Feld, ſo daß um 1700 der geſamte dem Hoſpital gehörige Beſitz an beſtellbaren Feldern ſich auf rund 250 Aecker belief [II. 4]J. Dieſe Felder wurden in drei Gruppen von ungefähr gleicher Größe geteilt, von denen der Reihe nach zwei beſtellt wurden, das dritte brach liegen blieb. Da der Beſitz an Wieſen gering war (27 Acker), wovon überdies ein Teil wenig ertragreich war, langte das Heu für die Fütterung des Viehes nicht aus, ſo daß das Hoſpital ſich genötigt ſah, noch weitere 16 Acker vom Rate zu pachten. Die Felder lagen alle in der Nähe des Hoſpitals zu— ſammen, nur die Wieſen waren verſtreut (Oetzſch, Gohlis, Wahren, Roſental). Der Ankauf dieſer Felder iſt für die Entwicklung des Hoſpitals von größter Wichtigkeit: es wurde der Verſuch gemacht, das Hoſpital auf eine landwirtſchaftliche Grundlage zu gründen. Verurſacht iſt dies worden durch die ſchlechten Erfahrungen, die man während des Krieges bezüglich der Ausleihungen der Ueber— ſchüſſe auf Hypotheken gewonnen hatte. Infolge der allgemeinen wirtſchaftlichen Not hatten viele Gläubiger, vor allem aber der Rat die fälligen Zinſen nicht bezahlen können. Dieſe wurden ent- weder als „Retardaten“ weitergeführt [R.], oder das Haus, das zur Sicherſtellung der ausgeliehenen Gelder diente, fiel an das Hoſpital. Das Haus war dann meiſtens fo baufällig, daß beim Verkaufe nur eine geringere Summe erlöſt wurde, als das Hoſpital ausgeliehen hatte. Da mochte den Vorſtehern der Beſitz an Feldern ſicherer erſcheinen. Es iſt jedoch nicht unmöglich, daß dieſe Entwicklung durch den Rat ſelbſt gehemmt wurde. Wir hatten ſchon bei der Betrachtung des Vermögens des Georgenhauſes die Beobachtung machen können, daß ſeit Anfang des 18. Jahrhunderts der Rat das Vermögen dieſer Anſtalt immer mehr in ſeinen Betrieben anlegt. Dasſelbe gilt vom Johannishoſpital. Deſſen Vermögen (den Grund⸗ beſitz nicht eingerechnet) betrug [nach den Hoſpitalrechnungen]: 1600 etwa 23000 fl. s 1700 „ 20955 fl. + 12037 fl. Retardaten 6*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0083.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


