Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
Licence: Public Domain Mark
Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
85/112 page 85
![gegeben [II. 28 bl, jede 13 Ellen (22 m) breit und 32 Ellen (9,12 m) tief.) Dafür waren 6 Taler als Erbzins jährlich zu entrichten [R.. So hatte ſich hier ein ganzes Viertel gebildet, das dem Johannis⸗ hoſpital unterſtand. Schon im 17. Jahrhundert galt das Hoſpital als Mittelpunkt der öſtlichen Vorſtadt, die daher den Namen Johannisvorſtadt erhielt. Das Hofpital beſtritt auch etwaige An— ordnungen des Rats aus eignen Mitteln, ſo die Erbauung einer die Vorſtadt umgebenden Mauer, Pflaſterung, Waſſerleitung, Ein⸗ führung der Beleuchtung [R.]. Bei Bränden war es die Pflicht des Verwalters, mit ſeinen Leuten und der im Hoſpital befindlichen Spritze und anderen Löſchgeräten zu Hilfe zu eilen. In kirchlicher Hin— ſicht gehörte die Johannisvorſtadt zum Sprengel der Johanniskirche. Die wirtſchaftliche Grundlage, von der das Wachs— tum der Anſtalt abhängig war, war alſo eine zweifache: die Ein— nahmen aus dem landwirtſchaftlichen Betriebe und die Einnahmen aus dem teils an den Rat, teils an Bürger verliehenen Vermögen. Die Mittel, durch die der Aufſchwung des Hoſpitals erſt herbei— geführt wurde, waren Sparſamkeit und gute Verwaltung. Dazu kam als weiteres wichtiges Moment hinzu, daß nur noch alte Leute aufgenommen wurden, die nicht ganz unbemittelt ſein durften, während noch kurz vorher die Anſtalt ſehr verſchiedenartige Aufgaben zu erfüllen hatte. Das Hoſpital hätte ſowieſo auf die Dauer alle dieſe Zwecke doch nicht verfolgen können, und ſo waren andere Anſtalten gegründet worden, die ſich der Unglücklichen annahmen: 1676 wurden die letzten „Franzöſer“ vom Willigen Almoſen (Lazarett) übernommen [R. 1677], 1668 war, freilich auf Koſten des Johannis— hoſpitals, das Georgenhaus erbaut worden. Merkwürdig iſt, daß das Johannishoſpital die Aufgaben des Georgenhoſpitals übernahm, das vor ſeiner Zerſtörung 1631 als Pfründnerheim gedient hatte, während andererſeits die früher im Johannishoſpital untergebrachten Irren und Gefangenen vom Georgenhaus aufgenommen wurden. Dieſer Beſtimmungswechſel war inſoweit von größerer Be— deutung, als früher die Inſaſſen ſelten die Verpflegungskoſten hatten zurückerſtatten können, während jetzt von jedem, der aufgenommen werden wollte, die Erlegung einer Einkaufsſumme verlangt wurde, die zwar nach dem Vermögensſtand und dem Alter der Betreffen— den ſich verſchieden hoch geſtalten konnte; jedoch iſt in der Zeit, in der das Hoſpital mit ſeinen Einkünften nur knapp auskam, ſehr auf die Höhe der Einkaufsſumme geſehen worden. Der Hauptzug, der das erſte Jahrhundert nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges in der Entwicklung des Johannishoſpitals auszeichnet, iſt Sparſamkeit; dieſe Sparſamkeit wurde aber zu weit getrieben, 1) Das find merkwürdigerweiſe die Maße des 1744 niedergeriſſenen Oberhauſes.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0085.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


