Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![8 denn ſie erſtreckte ſich auch bald auf die Verpflegung. Es hat natürlich zu allen Zeiten Inſaſſen gegeben, denen nichts recht ge— macht werden konnte, aber um die Hälfte des 17. Jahrhundert bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts häufen ſich die Klagen über mangelhafte Verpflegung derart, daß wir ſchließen können, daß man den Inſaſſen nur das Notwendigſte hat zukommen laſſen. So kam es häufig vor, daß Perſonen, die dazu imſtande waren, ſich zum zweiten Male einkauften, um die doppelte Portion Eſſen zu erhalten [z. B. R. 1684]. Man fragt ſich dann erſtaunt, wie ſich dann drei Perſonen mit zuſammen zwei Portionen haben behelfen können, die ihnen nur gewährt wurden, da fie zuſammen die Einkaufs ſumme von zwei Perſonen hatten erlegen können. Es galt ſomit auch hier der Grundſatz: die Verpflegung muß ſich nach der Ein— zahlung richten. 1684 wurde ein Speiſezettel aufgeſtellt, um immer feſtſtellen zu können, ob auch die richtige Mahlzeit gereicht würde. 1738 wurde beſchloſſen, daß diejenigen, die die volle Einkaufsſumme bezahlt hatten, eine wöchentliche Koſt von 20 gr. erhalten ſollten, während denen, die nichts „eingebracht“ hatten, nur eine von 14 gr. zuteil werden ſollte [R.]. Erſt als ſich die Lage des Hoſpitals gebeſſert hatte, wurden von 1755 ab alle Inſaſſen gleich behandelt [R.]. Dieſe Mängel der Verpflegung, die in der Bürgerſchaft viel- leicht auch ärger ausgemalt wurden, als ſie in Wirklichkeit beſtanden, hatten zur Folge, daß alle diejenigen, die Aufnahme in der Anſtalt hätten finden können, ſich dieſen Schritt reiflich überlegten. Das zeigt ſich in der Zahl der Inſaſſen: 1685: 35, 1720: 25 Inſaſſen;!) von da an iſt eine ſtete Steigerung zu beobachten. Um den ſo entſtandenen Platz nicht unbenutzt zu laſſen, beſchloß man Leute aufzunehmen, die nicht imſtande wären, die volle Einkaufsſumme zu erlegen; ſie ſollten nur eine kleine einmalige Summe bezahlen (fie ſchwankt zwiſchen 20 Taler 12 gr. und 9 Taler 3 gr., meiftens betrug ſie 13 Taler 14 gr.), wofür ſie freie Wohnung und Heizung erhielten. Man nahm nur Frauen auf und nannte ſie „Bey— frauen“, und das Gebäude, in dem ſie untergebracht waren, hieß das „Beyhoſpital“. Dieſe Aufnahme der Frauen finden wir etwa ſeit 1650 [R.]; in dieſem Jahre wird eine Frau als Hoſpitalitin aufgenommen, die 18 Jahre lang Beyfrau geweſen iſt [R.]. Später nahm ihre Zahl zu, doch ſind es ſelten mehr als 10 geweſen. Ihr Los war ein trauriges. Meiſtens waren es ebenſo gebrechliche Leute, wie die eigentlichen Hoſpitaliten, außerdem aber mußten ſie ſich ihren Lebensunterhalt ſelbſt erwerben. Es konnte daher nicht fehlen, daß dieſen die Teilnahme der Mitbürger in Form von Stiftungen ſich zuwendete. 1727 finden wir die erſte derartige ) Seit 1719 iſt die Inſaſſenzahl den Rechnungen entnommen, da in dieſen von dieſem Jahre ab jährlich der Zugang und Abgang der Inſaſſen verzeichnet iſt. f aT te](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0086.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


