Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![1 iaba st AD Mies Stiftung [Stiftungsbuch], der bald andere folgten; doch dieſe ver: einzelten, außerdem nicht ſehr beträchtlichen Stiftungen, konnten das Elend dieſer Armen nur wenig lindern. Die Sparſamkeit in der Verwaltung erſtreckte ſich nicht allein auf die Verpflegung, ſondern auch auf die Inſtandhaltung der Ge— bäude. Als nach 1720 wieder mehr Leute um Aufnahme nach— ſuchten, war man nicht mehr in der Lage die Zahl der Inſaſſen bis zur früheren Höhe zu vermehren, da man den Gebäuden keine Sorge hatte angedeihen laſſen. So heißt es in einem Bericht an den Rat: „inſonderheit das Ober- und Niederhaus ſind dermaßen alt und baufällig, daß man bei ſolchen des Einfallens ſich nicht unbillig zu verſorgen hat“ [II, 19J. Das war auch kein Wunder, denn beide Gebäude ſtanden bereits anderthalb bis zwei Jahrhundert und das zuletzt erbaute, das „neue Haus“ war aus Geldmangel aus ſchlechten Bauſtoffen ausgeführt worden. So leſen wir weiter in dem Berichte des Obervoigtes an den Rat: „Im Oberhaus hat ſich das Dach geſenkt, die Ziegel fangen an herauszufallen, in den Stuben hilft im Winter kein Einheizen mehr, in den Balken ſind die Würmer. Der Wind blaſt allerorten herein, im Niederhaus beim alten Zuchthauſe müſſen ſich die Inwohner bei Regenwetter in die untere Stube zurückziehen uſw.“ Iſt es da erſtaunlich, daß die Zahl der Aufnahmeſuchenden nicht ſehr groß war, in An— betracht, daß man auch eine ziemlich hohe Einkaufſumme bezahlen mußte? Wenn man an eine Erweiterung des Hoſpitals denken wollte, war eine Erneuerung der Gebäude das allernotwendigſte. Für das Vieh und die Getreidevorräte hatte man geſorgt, 1721 und 1722, 1732, 1748 [R.] wurden die Scheunen und Ställe neu erbaut und erweitert, ebenſo war 1670 die Kirche teilweiſe erneuert worden:“ man mußte ſich ſchließlich ſagen, daß die Anſtalt zum Wohle der Inſaſſen beſtimmt ſei, und nicht umgekehrt. Schon um 1720 hatte ſich der Vorſteher Georg Sieber (1709 —42 Vorſteher) an den Rat gewandt um Abſtellung dieſer unwürdigen Zuſtände. Aber die Angelegenheit verſchleppte ſich und erſt 1741 drängte Sieber auf Erneuerung der Gebäude. Das Geld war auch vorhanden. Wir haben ſchon erwähnt, daß der Rat der größte Schuldner des Hoſpitals geworden war durch die Nichtbezahlung der Zinſen während des Dreißigjährigen Krieges. Während dieſer verhängnisvollen Zeit hatte 1) Die Kirche erhielt durch dieſen Umbau die Geſtalt, die jie bis 1894 bewahrt hat: ein gotiſches Langſchiff (Hallenbau) mit flacher Holzkaſſettendecke. 1814 machte ſich zwar eine gründliche Ausbeſſerung notwendig, nachdem die Kirche bei der Erſtürmung des äußeren Grimmaiſchen Tores zu leiden gehabt hatte, aber eine Umgeſtaltung war nicht vorgenommen worden. 1747/48 war der ſchöne Barockturm [R.] erbaut worden. Als man dann 1894 daran ging die Kirche zu erneuern, baute man die Kirche in der für evangeliſche Kirchen ſeltenen Barockform aus, ſo daß jetzt Turm und Kirche ein Ganzes bilden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0087.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


