Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
Licence: Public Domain Mark
Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
89/112 page 89
![Ueber die Ereigniſſe der Völkerſchlacht können wir raſch hin— weggehen. Trotzdem der Kampf in unmittelbarer Nähe des Hoſpitals tobte, erlitten die Gebäude doch einen verhältnismäßig geringen Schaden. Die Anſtalt wurde, wie alle anderen öffentlichen Gebäude in ein Lazarett umgewandelt, ebenſo die Kirche. Dieſe mußte ſpäter vermauert werden, da in ihr wegen der Anſammlung von Kranken und Toten und wegen mangelnder Pflege eine Seuche ausbrach, die ſchließlich die Geſundheit der Stadt bedrohte. Die Kirche wurde dann erſt im folgenden Jahre wieder eröffnet. Dies iſt das letzte Ereignis, das eine Hemmung in der ſich in aufſteigender Linie bewegenden Entwicklung des Hoſpitals bedeutet. Die Einkünfte hatten ſich vermehrt, ſo wurde auch die Verpflegung der Inſaſſen eine beſſere, und die Folge davon war wiederum, daß ſich immer mehr zur Aufnahme meldeten. Bald genügte der vor— handene Platz nicht mehr, und man ſah ſich gezwungen, die Auf— nahmeſuchenden zurückzuweiſen. 1746 nach dem Neubau war man in der Lage, ungefähr 60 Perſonen unterzubringen [II, 191. Um 1790 war die Zahl der Inſaſſen auf 90 geſtiegen, damit waren aber auch alle Zimmer benutzt worden, und man mußte von nun an die Zahl der Aufnahmen nach dem Abgang der Inſaſſen richten, während man bisher meiſtens alle Aufnahmeheiſchenden hatte auf— nehmen können. Schon 1820 liegen für jeden freien Platz 30 An— meldungen vor [II, 140]. Man richtete über den Scheunen und Ställen Stuben ein, zu einem Neubau konnte man ſich noch nicht entſchließen. Noch 50 Jahre ſollten vergehen, ehe das Hoſpital ſich vergrößerte, wozu die Möglichkeit durch das raſche Anwachſen des Vermögens ſchon längſt gegeben war. Es ſoll nicht unſere Aufgabe ſein, dieſen letzten Aufſchwung zu verfolgen, nur ſoviel ſei geſagt, daß der Rat dies Vermögen des Hoſpitals teilweiſe in Grundbeſitz anlegte. Dies ſollte ſich nicht nur als ſehr glücklich für die Ver— mehrung des Vermögens erweiſen, ſondern hat ſich auch ſpäterhin als ſehr fegenSreich für die Entwicklung der Stadt insgeſamt gezeigt. Durch geſchickte Kauf⸗ und Verkaufverträge war der Rat durch den Grundbeſitz des Hoſpitals zum größten Grundbeſitzer der Stadt geworden, und als die große Bodenpreisſteigerung in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts erfolgte, hatte das Hoſpital einen großen Zuwachs ſeines Vemögens zu verzeichnen, hatte aber auch weiterhin den Ruhm, durch ſeinen Grundbeſitz zu einer geſunden Entwicklung der Bodenpreiſe in der Stadt Leipzig beigetragen zu zur Erbauung eines zweiten Armenhauſes, das auch 1832 fertiggeſtellt war. Dieſes Armenhaus führt in ſpäteren Stiftungen auch den Namen: Spital für Arme am äußeren Grimmaiſchen Tore, linker Hand. Als 1853/54 am Täubchen⸗ weg ein neues Armenhaus aufgeführt wurde, verkaufte die Armenanſtalt das Gebäude für 12000 Taler an das Johannishoſpital [Stiftungsbuch!.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0089.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


