Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin].
- Odin, Alfred, 1900-
- Date:
- 1914
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Credit: Entwicklung des Georgen - und des Johannishospitals zu Leipzig bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts / [Alfred Odin]. Source: Wellcome Collection.
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![* wurde dann eine Unterſuchung vorgenommen, doch ſtellte es ſich heraus, daß die Beſchwerde unbegruͤndet geweſen war, ſo wurden die Beſchwerdeführer beſtraft, wie in einem Falle zu 2—6 Tagen Gefängnis bei Waſſer und Brot [1818. II. 140]. Der Speiſezettel blieb faſt das ganze Jahr über unverändert, mittags eine Suppe und ein Gericht, abends ebenfalls ein warmes Eſſen, dreimal in der Woche Fleiſch, einmal Fiſch, ſonſt Mehlſpeiſe und Gemüſe. Dazu bekam jede Perſon wöchentlich / Pfund Butter, 8 Pfund Brot und täglich eine Kanne Bier. Für die hohen Feſttage beſtand ein beſonderer Speiſezettel. Unter dem Hausverwalter ſtand das Wirtſchaftsgeſinde, Hof— knechte und Mägde, die in den verſchiedenen Häuſern die groben Arbeiten verrichteten. Dieſe wurden vom Hoſpital beſoldet. Später, als ſich der Betrieb vergrößert hatte, finden wir neben dem Pächter noch einen Verwalter 1814. II. 140]. Die Pflege der Kranken lag in den Händen eines Arztes und eines „Chirurgus“. Der Arzt behandelte die ſchwereren Fälle und brauchte nur einmal in der Woche die Kranken zu beſuchen; er konnte jedoch gerufen werden, wenn ein Inſaſſe ſchwer erkrankte. Um 1700 betrug ſeine Jahresbeſoldung 20 fl. ſpäter wurde dieſe verdoppelt, ſeit 1819 erhielt er 80 Taler. Der Chirurgus Wund⸗ arzt, Balbier) behandelte die gewöhnlichen Krankheiten. Da er dementſprechend öfters im Hoſpital zu tun hatte, hatte er auch um 1700 die doppelte Beſoldung des Arztes, 40 fl., ſpäter trat er an Bedeutung hinter den Arzt zurück. — Die Arzneien, die für die Kranken ſich nötig machten, bezahlte das Hoſpital aus ſeinen Mitteln. Die Seelſorge lag dem Pfarrer der Johanniskirche ob. Dieſer hatte die zweifache Aufgabe für die Hoſpitaliten und für ſeine Gemeinde, die Bewohner der Johannisvorſtadt, zu ſorgen. Neben den allwöchentlichen Gottesdienſten und den vierzehntägigen Kommunionen mußte er ſich der Kranken annehmen, die den Gottes— dienſt nicht beſuchen konnten. Seine Einkünfte hatten urſprünglich vom Hoſpital aus nur in der Gewährung von freier Wohnung und freiem Unterhalt beſtanden; die Nebeneinnahmen aus Meſſen, Vigilien uſw. hatten zur Befriedigung der übrigen Bedürfniſſe genügt. Seit Einführung der Reformation erhielt er jährlich dafür 25 fl. aus der Ratseinnahmeſtube [II. 10, 1717J. Im 17. Jahrhundert verwandelte ſich die Naturalabgabe in eine Geldleiſtung des Hoſpitals an den Pfarrer, während die Beſoldung durch den Rat weiterhin beſtehen blieb, wie wir überhaupt um dieſe Zeit die Beobachtung machen können, daß weder der Rat noch das Johannishoſpital genau wußten, wer eigentlich für die Kirche, den Pfarrer und die Friedhöfe zu ſorgen hatte. Da jedoch die Einnahmen dem Hoſpital zufloſſen, ſo drang allmählich die Anſicht durch, daß dieſe Ein⸗ richtungen vom Hoſpital zu unterhalten ſeien [II. 28 b. 1796]. —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28978808_0093.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


