Geschichte der organischen Chemie von ältester Zeit bis zur Gegenwart / von dr. Edv. Hjelt. Mit drei Figuren.
- Edvard Hjelt
- Date:
- 1916
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Credit: Geschichte der organischen Chemie von ältester Zeit bis zur Gegenwart / von dr. Edv. Hjelt. Mit drei Figuren. Source: Wellcome Collection.
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![Lichtbrechung. (1864) grundlegend für unsere Kenntnisse über die Beziehungen zwischen chemischer Zusammensetzung der organischen Ver¬ bindungen und Refraktion. Von ganz besonderer Bedeutung in dieser Hinsicht waren Brühls umfassende Untersuchungen, die im Jahre 1880 begonnen und während mehr als zwei Dezennien fortgesetzt wurden. In dieselbe Periode fallen die Arbeiten von Kannonikow, Nasim und Conrady. Von jüngerem Datum sind die Untersuchungen von Eykman, Ida Smedley sowie von Auwers und Eisenlohr. Die ersten Untersuchungen bezogen sich auf homologe Reihen und auf isomere Verbindungen. In den erstgenannten zeigte es sich, daß das Brechungsvermögen (die Molekularrefraktion) mit steigendem Molekulargewicht zunimmt und bei Isomeren mit gleichartiger Struktur wesentlich dieselbe ist. Diese Eigenschalt erwies sich also als additiver Natur. Gladstone und Dale sprachen den Satz aus, „daß jede Flüssigkeit ein spezifisches Brechungsvermögen besitzt, das sich aus dem spezifischen Brechungsvermögen der sie bildenden Elemente zusammensetzt, beeinflußt durch die Art der Bindung“. Sie fanden auch, daß das molekulare Brechungsvermögen in den homologen Reihen von Glied zu Glied kontinuierlich zunimmt. Landolt berechnete [nach der von Gladstone und Dale aufgestellten Formel1)] als mittleren Wert dieser Zunahme für jedes CII2 = UFr benutzte diese Grundzahl weiter, um aus den empirischen Formeln einer Reihe von Verbindungen (Alkohole, Säuren, Ester) die Atom¬ refraktion von Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zu be¬ stimmen, nämlich C = 5, H = 1,3 und 0 = 3. Namentlich durch Brühls Untersuchungen wurde die konstitutive Seite des Brechungs¬ vermögens klargestellt. Die Atomrefraktion erwies sich als nicht konstant, sondern namentlich von der Bindungsart des Atoms und seiner Valenzbetätigung abhängig. Wie beim Molekular¬ volumen zeigte sich der Refraktionswert z. B. für Sauerstoff ver¬ schieden in Ilydroxyl und in Carbonyl. Bei den ungesättigten Verbindungen wurden starke Abweichungen von den normalen Refraktionszahlen beobachtet. Brühl führte dies auf den un¬ gesättigten Kohlenstoff zurück. Der Wert des erhöhenden Ein- i) Die betreffende empirische Formel für das Brechungsvermögei. __ n~~ X ist später (1880) durch die theoretisch hergeleitete Lorentz- d yfi - | . Lorenzsche Formel ersetzt wonien- Hjelt, Gesell, d. organ. Chemie. 33](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b29979535_0527.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)