Über den Bau von Syncoryne sarsii, Lovén, und der zugehörigen Meduse Sarsia tubulosa, Lesson / von Franz Eilhard Schulze.
- Franz Eilhard Schulze
- Date:
- 1873
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Credit: Über den Bau von Syncoryne sarsii, Lovén, und der zugehörigen Meduse Sarsia tubulosa, Lesson / von Franz Eilhard Schulze. Source: Wellcome Collection.
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![Sarsia tubulosa, Lesson. In den Monaten April bis Juni erscheint an ruhigen Tagen vor Warnemünde an der Meeresoberfläche eine Qualle in allen Entwicklungsstufen und beiden Geschlechtern, welche mit der zuerst von Saks in den Beskrivelser og Jagttagelser etc. 4835 als Oceania tubulosa erwähnten und abgebildeten, dann im Jahre 1847 von Forbes in den Nacked eyed Medusae PI. VI, Fig. 2 dargestellten und als Sarsia tubulosa, Lesson, l. c. pag. 55 beschriebenen Form in Gestalt, Grösse, Bau, Färbung und allen übrigen von jenen Autoren berücksichtigten Cha- racteren völlig übereinstimmt. Auch mit der Qualle, welche Dujardin (in den Annales des Sciences nat. 1845] unter dem Namen Sthenyo beschrieben und von einem Syncoryne deci- piens genannten Hydroidpolypen durch Knospung erhalten hatte, sowie ferner mit der Qualle, welche Agassiz (in den Contributions Part IV, p. 211) im Jahre 1860 als Sarsia mirabilis sehr genau beschrieben und 1. c. PI. XVIII, Fig. 15—24 vortretflich abgebildet hat und zu seiner Coryne mirabilis rechnet, dürfte sie identisch sein. Im ausgewachsenen geschlechtsreifen Zustande besitzt sie eine wasserhelle, tief glocken- förmige Umbrella von etwa 2 Mm. Wanddicke, welche eine Länge von 10 Mm. und einen Querdurchmesser von 5—6 Mm. erreichen kann. Sie erscheint nicht völlig drehrund, sondern zeigt vom dorsalen Pol bis zum unteren freien Glockenrande herabziehende äussere Längs- furchen, welche indessen nicht durchaus beständig sind, sondern sich in Lage und Tiefe je nach den Contractionszuständen der Qualle ändern können. Gewöhnlich sieht man 4 regel- mässig kreuzweise gestellte, mässig tief einschneidende äussere Furchen gerade in der Mitte zwischen je zwei Radiärcanälen, wie sie von Agassiz 1. c. Fig. 15—17, von Allman 1. c. im woodc. 49 auf p. 113 dargestellt sind. Zu andern Zeiten lassen sich aber 8 Längsfurchen wahrnehmen, indem zu den oben erwähnten noch 4, den Radiärcanälen selbst entsprechende hinzukommen (Fig. 23), und bei sehr kräftiger Contraction erscheinen gerade diese vier letz- teren so tief eingezogen, dass sie bei der Ansicht vom oberen Pole aus dominiren, Fig. 22, wie dies übrigens auch von Agassiz 1. c. Fig. 18 angegeben ist. Der im Ruhezustand fast kreisförmige freie untere Glockenrand wird durch die Con- traction in der Weise zu einem Quadrate verzogen, dass die Ecken desselben den 4 Radiär- canälen entsprechen. Von der Mitte der concaven Seite der Umbrella hängt der durch seine giünblaue Fär- bung auffällige, sehr lange Magenschlauch wie ein Glockenklöppel herab. Derselbe stellt eine oben mit kurzem dünnen Stiele entspringende, zur Zeit der Geschlechtsreife circa 1 Mm. dicke Röhre dar, welche bei jeder der stossweisen Contractionen der Glocke und der daduich be- dingten energischen Fortbewegung des ganzen Thieres lang ausgereckt wird, während der Diastole sich wieder zusammenzieht und dabei etwas krümmt, um bei dem nächsten Schwimmstoss wieder ausgereckt, scheinbar vorgestossen zu werden.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22340907_0018.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


