Lehrbuch der ohrenheilkunde : mit einschluss der anatomie des ohres / Von Dr. von Tröltsch.
- Anton von Troeltsch
- Date:
- 1868
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Credit: Lehrbuch der ohrenheilkunde : mit einschluss der anatomie des ohres / Von Dr. von Tröltsch. Source: Wellcome Collection.
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![welche höchst wahrscheinlich in einem gesetzmässigen Zusammenhange stehen nicht nur mit der jeweiligen Stellung der Schläfenschuppe, sondern auch uiit der ganzen seitlichen und Längen-Entwicklung des Schädelgrandes, so dass man aus dem Grade der Neigung des Trom- melfells am Lebenden möglicherweise bestimmte Anhaltspunkte ge- winnen könnte über den höheren oder niederen Stand des Keilbeins und die Ausbildungsgeschichte des Schädels überhaupt. Am meisten Aufschluss über den Grad der Neigung des einzel- nen Trommelfells zur Gehörgangsaxe scheint der Winkel zu geben, welchen dasselbe mit der oberen (oder mit der hinteren) Gehörgangs- wand macht und ist derselbe auch verhältnissmässig noch am leichte- sten zu bestimmen. Eine Reihe von Messungen an normalen Gehör- organen Erwachsener ergab mir für denselben als Durchschnittszahl 140°. Bei einem 35jährigen Taubstummen, der mir als „cretinartig bezeichnet wurde, bildete das Trommelfell mit der oberen Gehörgangswand einen Winkel von 1670, glich also in seiner der Horizontalen sich nähernden Lage dem eines Kindes. Da ich nur den mittleren Theil des Schädelgrundes besass, konnte keine Bestimmung des Sattelwinkels vorgenommen werden, und fehl- ten auch weitere Anhaltspunkte, um mit Sicherheit frühzeitige Synostosen und ^Yachsthumshemmungen am Schädelgrunde annehmen zu können. (Auch Vol- tolini erwähnt zweimal bei Sectionen von Taubstummen, eines 16 und eines 17jährigen, eine nahezu horizontale Lagerung des Trommelfells gefunden zu haben*)). Ein solches Zurückbleiben des Trommelfellwinkels auf kindlicher Stufe hat etwas sehr Auffallendes; indessen weist Virchow an mehreren Stel- len seiner classischen Untersuchungen über Oretinismus und die Entwicklung des Schädelgrundes bereits auf eine gewisse Verwandtschaft zwischen Oreti- nismus und Taubstummheit hin. (Um mir ein Urtheil zu bilden, ob diese Lage des Trommelfells eine constante bei Cretinen sei, oder ob es sich hier nur um ein zufälliges Zusammentreffen handle, musterte ich sämmtliche Cre- tinenschädel der hiesigen Anstalt durch, konnte aber an diesen macerirten und getrockneten Objecten nicht ganz in's Reine kommen, obwohl mir das, was ich fand, eher für die erstere Annahme zu sprechen schien.) SYinkelniessungen an Theilen, an welche man den Quadranten nicht un- mittelbar anlegen oder von denen man nicht gut Profildurchschnitte gewinnt)] kann, haben etwas sehr Umständliches. Am besten kann man sich helfen, wenn man ein ganzes System von Parallellhiien entwirft, diese fixirt und an ihnen den fraglichen Winkel bestimmt. In neuerer Zeit wurde mir das Ab- nehmen des Trommelfellwinkels sehr erleichtert durch einen ebenso ein- fachen als sinnreichen Winkelmesser, welchen ich der Erfindungsgabe des Herrn Wilhelm Hess, Lehrers der Mechanik an der hiesigen Gewerbsohule, verdanke, und welchen derselbe speciell für diesen Zweck ersann und aus- arbeitete. *) Virchow's Archiv Bd. XXH. S. 127. und Bd. XXXI. S. 212.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21000736_0056.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)