Epidaurus, eine antike Heilstätte / Von S. Herrlich.
- Herrlich, Samuel, 1846-
- Date:
- 1898
Licence: Public Domain Mark
Credit: Epidaurus, eine antike Heilstätte / Von S. Herrlich. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![glaubt mau in dem 1892 nordöstlich vom Asklepiostempel gefundenen Unterbau eines kleinen Tempels die Reste des Heiligtums der Aphrodite und Themis gefunden zu haben; auch von dem durch Antoninus erbauten Tempel der Hygieia, des Asklepios und des Apollo „snixkrjüiv ^4lyvnzioic“ glaubt man 1894 Reste in den Fundamenten eines Antentempels zwischen den grofsen Propyläen und dem Asklepiostempel entdeckt zu haben1). Künstlerisch bei weitem wertvoller als die Tempelbauten ist nun der merkwürdige Rund¬ bau, den Pausanias als Tholos bezeichnet2). Der Bau war eigentlich, wie die Berichte der älteren Reisenden beweisen, niemals völlig unsichtbar geworden, und so ist es leicht erklärlich, dafs die Ausgrabungen sich ebenso wie dem Theater, so diesem wunderbaren Bauwerk gleich anfangs zu¬ gewendet haben. Die Tholos liegt südwestlich vom Asklepiostempel; aufser dem Unterbau sind zahlreiche dekorative Bauglieder erhalten. Aber auch für die Tholos kommt neben dem, was von dem Bau erhalten geblieben ist, ähnlich wie für den Askiepiostempel, eine Bauinschrift in Be¬ tracht3). Diese sehr umfangreiche, freilich in ihrem Verständnis grofse Schwierigkeiten bietende Urkunde bezeichnet das Bauwerk, dessen Baurechnungen sie enthält, allerdings nicht als ©oAoc, sondern als Qv^sla; es kann aber nicht der geringste Zweifel darüber herrschen, dafs diese Thymele eben der von Pausanias als Tholos bezeichnete Rundbau ist4 *). Wichtig ist die Inschrift zunächst für die Bestimmung der Zeit der Tholos, und da diese nach Pausanias von demselben Baumeister wie das Theater, nämlich von Polyklet, erbaut ist, auch für die Bestimmung der Zeit des Theaterbaues6). Wegen des in ihr angewendeten Alphabets und der Zahlzeichen mufs die Inschrift jedenfalls jünger sein als die Bauinschrift des Asklepiostempels, also mufs sie nach 394 a. Chr. fallen. Nun werden in der Inschrift 21 Priester genannt, die die Zahlungen an die Bau¬ kommission anweisen; da das Priestertum ein Jahresamt ist, so dauerte also der Bau mindestens 21 Jahre; Bruno Keil aber hat unter Berücksichtigung der allgemeinen politischen Verhältnisse, die in gewissen Zeiträumen im 4. Jahrhundert eine Bauthätigkeit in Epidaurus geradezu unmöglich machen mufsten, nachgewiesen, dafs diese 21 Jahre keineswegs ununterbrochen aufeinander folgen, sondern sich annähernd auf die Zeit von 386 bis 330 v. Chr. verteilen. Nach ihm war zu Ende dieser Zeit der Bau der Tholos vollendet: nun werden aber in der Inschrift weder die korinthischen Säulen mit ihrem Gebälk noch die Marmordecken der inneren und äufseren Säulenhalle und andere künstlerisch hervorragende Teile des Baus, die, wie die erhaltenen Baureste beweisen, sämtlich aus dem kostbaren weifsen parischen Marmor hergestellt waren6), erwähnt. Keil erklärt dies daraus, dafs die Inschrift nur einen Teil der Baurechnungen enthält, nämlich nur die, welche sich auf die aus der Tempelkasse bestrittenen Baukosten beziehen; auf einer andern (bisher nicht gefundenen) Inschriftstele seien die aus der Staatskasse gemachten Aufwendungen verzeichnet ge¬ wesen, und gerade die oben genannten, besonders kostbaren Teile des Baues seien auf Staatskosten 0 ÜQctxTixd für 1892 und 1894. 2) II, 27, 3. oixiyxa 7ieQi(f£Q£g — xalovfievov Qolog . . . 3) Die Inschrift ist zuerst publiziert von Stais in der ’Ecfr]/u6Q)g aQ%. 1892, dann von Kavvadias in den Kouilles unter No. 242 S. 93—105. Behandelt ist sie dann ausführlich von ß. Keil in d. Athen. Mitt. 1895 S. 20—119 und 405—450. 4) Die Beweise siehe fouilles S. 100. s) Paus. II, 27, 5 Uolvxteciog yaq xal deaiQov tovto xal ol'xrj/xa rö iiSQi(p8Q£g 6 TTotrjöag rjv. 6) Keil a. a. O. S. 87 nach Dörpfelds Mitteilungen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b30474942_0022.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)