Somnambulismus und Spiritismus / von L. Loewenfeld.
- Loewenfeld, Leopold, 1847-1924.
- Date:
- 1907
Licence: In copyright
Credit: Somnambulismus und Spiritismus / von L. Loewenfeld. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![weigerte er sich mit Tränen in den Augen, sich zu einem Priester machen zu lassen, offenbar weil dies seinen religiösen Gefühlen wider- strebte. Eingewurzelte Chara]ttereigenschaften und Leidenschaften lassen sich durch hypnotische Suggestionen nicht oder wenigstens nicht dauernd beeinflussen. Auch andauernde Gemütsstimmungen sind der Suggestion wenig zugänglich. Mitunter wird die Annahme harmloser und selbst dem Individuum nützlicher Suggestionen — von Heilsuggestionen z. B. bei bestehenden Leiden — durch gewisse fixe Vorstellungen verhindert, welche sich das Individuum selbst gebildet hat. Derartige Vorstellungen — Autosuggestionen —, die dem Individuum unbewusst bleiben mögen, werden mitunter dadurch, dass sie lange Zeit unbekämpft bleiben und in den Denkgewohnheiten und dem körperlichen Zustande des Indi- viduums eine Stütze gewinnen, so befestigt und mächtig, dass sie über die Eingebungen von dritter Seite — Freradsuggestionen — leicht die Oberhand erlangen und dieselben nicht Wurzel fassen lassen. Zu einer Hypnose bedarf es nicht immer eines Hypnotiseurs; der hypnotische Zustand kann auch ohne die Einwirkung einer dritten Person entstehen. Manche Individuen, welche häufig hypnotisiert wurden, können sich selbst willkürlich in Hypnose (Autohypnose, Autosomnam- bulismus) versetzen, indem sie sich die Vorgänge bei der Hypnotisierung lebhaft vorstellen; solche verfallen mitunter auch bei Einwirkung ein- förmiger Sinnesreize, z. B. beim Horchen auf ein Geräusch, ohne es zu wünschen, in Hypnose; auch im Anschluss an den natürlichen Schlaf entwickeln sich mitunter als eine Form des Halbschlafes autohypnotische Zustände^). Gegen die Neigung zur Autohypnose sind wir jedoch nicht machtlos; wir können dieselbe durch entsprechende Suggestionen in der Hypnose beseitigen. Die Fähigkeit, sich selbst in hypnotischen (somnambulen) Zustand zu versetzen, wird von manchen Personen zu verschiedenen Zwecken ausgenützt. Die mit Wahrsagen und Kurieren sich befassenden Som- nambulen schläfern sich zum Teil selbst ein und wissen während ihres Schlafzustandes mitunter ihre geschäftlichen Vorteile besser zu wahren, als sie es im wachen Zustande vermöchten. Auch die Medien, Avelche durch ihre Leistungen in spiritistischen Sitzungen den Gläubigen so Wunderbares vorführen, sind zumeist Individuen, welche sich selbst ein- zuschläfern imstande sind. Der als „Trance^^ oder „Ekstase“ gewöhnlich bezeichnete Zustand dieser Personen ist in seinem Wesen identisch mit dem hypnotischen Somnambulismus und findet sich in verschiedenen Graden der Entwickelung bei verschiedenen Medien. Unter diesen sind diejenigen die beliebtesten, welche den somnambulen Zustand in voll- kommenem Masse aufweisen. Auch die Gabe des sogenannten zweiten 1) Eine Art Autohypnosc ist auch der sogcnaunto Yogaschlaf, in welchen sich die indischen Fakire zu versetzen wissen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22408873_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)