Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
Licence: In copyright
Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
103/144 (page 901)
![Bd. 84. Techn. 1934. T. ] Nachträge u. Ergänzungen z. „Geschichte des Zuckers“. 901 Talmud schon wohlbekannt ist, in den Schriften der späteren, sog. halachischen Zeit für eine Kreuzung von Weinrebe und Rübe gilt! 660) Aus der Reihe der im Mittelalter herrschenden und z. T. bis zur Gegen¬ wart lebendig gebliebenen abergläubischen Vorstellungen betreffs der Möhre sind zu erwähnen: ihre (auch schon der Antike geläufige) Ver¬ wendung gegen Gelbsucht, ihre Beziehungen zum Gold (oder Geld), — beide der Farbe halber —, ihre Eignung für die zur „Kräuterweihe“ dienlichen Sträuße und „Büschel“, sowie die Vorschrift, sie nur an „guten Tagen“ auszusäen und keinesfalls „im Zeichen des Krebses“ 661). 10. Den oben erwähnten, vor etwa Jahresfrist erschienenen Nach¬ trägen zur Geschichte der Zuckerrübe (Beta) 662) sind, trotz der Kürze der verstrichenen Zeit, eine ganze Anzahl weiterer von oft er¬ heblicher Wichtigkeit anzuschließen. Erinnert sei aber zunächst an die Unsicherheit vieler Berichte, die dadurch bedingt ist, daß seit altersher verschiedene andere Gewächse, bloß weil ihre Wurzel eine ähnliche Form zeigt wie die der Rübe, mit letzterer (aber auch untereinander) ver¬ wechselt wurden, so z. B. außer der „gelben Rübe“ (der Möhre) die Melde, die weiße Eßriibe, die Steckrübe usf. 11. Die Melde (Atriplex) gehört wie die Beta zu den Chenopodi- aceen, die durch U 1 b r i c h im Bande 16 c der „Natürlichen Pflanzen- Familien“ von En gl er und Harms soeben eine sehr ausführliche Behandlung erfuhren 663). Verschiedene ihrer höchst zahlreichen Arten sind in Europa und Asien heimisch und zählen zu den ältesten Nutz¬ pflanzen, die als Gemüse, als Futter und zur Notnahrung dienten 664). Von gewissen edleren wird vermutet, daß sie aus Vorderindien stammen, von da nach Vorderasien und den Mittelmeerländern, und schon während der jüngeren Steinzeit nach Mittel- und Nordeuropa gelangten; zur Zeit der Pfahlbauern waren sie bereits gut bekannt und wurden vielleicht schon angebaut, gleich anderen Chenopodien, die ebenfalls als Gemüse dienten oder mehlliefernde Samen trugen 665). Die noch edlere Garten¬ melde (Atriplex hortensis) soll nach Einigen sogar erst 1548 aus der Tatarei nach Europa verpflanzt worden sein 666), und ihre buntblättrigen Varietäten finden sich seither in Frankreich als „bonne dame“, „belle 66°) Lö w IV, 69, 92; 294. 661) M a r z e 11 „H. D. A.“ VI, 453. 662) „Z.“ LXXXIV, 14 (1934). 663) Leipzig 1934; 379 ff. 664) ebd. 510 ff., 519. 665) ebd. 435; 432, 433. 066) ebd. 433. 66](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0103.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)