Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![[Dtsch. Zuckerind. Romantikers Novalis (von Hardenberg, 1772—1801) finden; seine kiiizen Anmerkungen betreffen die „Trocknung der Runkelrüben“, ihre „Auslaugung im Wasser“, die „Reinigung mit Oel“, das „Kochen in ihrem eigenen Branntwein und die Möglichkeit „den Schleimstoff durch galva¬ nisch-chemische Behandlung in Zucker zu verwandeln“ 76S). 24. In Frankreich, das Chatillon’s warme Empfehlung des Achard’ sehen Verfahrens von 1801 nicht beachtet hatte 764), scheiterten die von Napoleon seit 1811 befohlenen, durchgreifenden Maßnahmen zumeist schon daran, daß man keine geeignete Rübe besaß und auch keinen geeigneten Samen zu beschaffen vermochte, am wenigsten in so gioßen Mengen; selbst die auf kaiserlichen Befehl errichteten sog. „Lehr¬ fabriken , wie die des sehr tüchtigen Mohr zu Wachenheim im Elsaß, konnten sich nur so lange halten, als sie staatliche Zuschüsse empfingen, d. i. bis 1813 76°). In Belgien, das damals Frankreich einverleibt war, wurde 1811 ebenfalls zur Errichtung von Fabriken geschritten, aber die zu Namur vermochte aus 10 000 dz ihrer [offenbar ganz minder¬ wertigen] Rüben nur 60 dz = 0,6% Zucker zu gewinnen und stellte daher den Betrieb alsbald wieder ein 766). — Die in Oesterreich, besonders in Böhmen, ins Leben gerufenen Unternehmungen überlebten das Ende der Kontinentalsperre ebenfalls nicht, oder höchstens noch einige Jahre 767), desgleichen die in Ungarn, wo Kietaibel 1811 schon versuchte, die Rüben auszulaugen und die Säfte mit Alaun, Braunstein, Bleioxyden usf., gründlicher zu reinigen 768). — In Rußland stellte, wie der deutsche Chemiker Lowitz, Entdecker der entfärbenden und i einigenden Wirkungen der Holzkohle, aus St. Petersburg (seiner Tätig¬ keitsstätte) an Scherer schreibt 769), der deutsche Apotheker Bind- heim zu Moskau um 1799 im kleinen völlig reinen und höchst wohl¬ schmeckenden Zucker aus Rüben dar; die ersten fabrikmäßigen Arbeiten gemäß Achard’s Vorschriften verdankte man jedoch dem Oberstleut¬ nant J o s s i p o w , der sie 1802 auf seinem Gute nächst Moskau begann und fortsetzte; er starb aber bereits 1805, und infolge dieses frühen Todes gelang es seinem Gesellschafter, dem General Blankennagel 763) „Fragmente“, ed. Kannegießer (Dresden 1925), 695. 764) Grotkass „C. Z.“ XXXVII, 1381 (1929). 765) Ulrich „C. Z.“ XXXIX, 523 (1931). 766) Sachs „Sucrerie Beige“ LI, 302 (1932). 767) Grotkass „Z. f. Zuckerind. d. cecho-slow. Rep.“ (Prag 1929) XI, 148. 768) v. Szathmäry, „Z.“ LXXXI, 852 (1931). 760) Speter „D. Z.“ LVIII, 35 (1933).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0116.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)