Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![Auch Achar d ließ es in den „Chymisch-Physischen Schriften“ von 1780 noch dahingestellt, woher die Aschensalze der Pflanzen und Tiere rühren, und ob sie durch „Animalisation“ verändert und etwa in andere, noch unbekannte Erden umgewandelt werden möchten? 792); erst 1791 vertrat er in den „Vorlesungen über Experimental-Physik“ den richtigen Stand¬ punkt, daß z. B. die Pottasche erst bei der Verbrennung der Pflanzen und ihrer Bestandteile, so des Weinsteines, entstehe, und dabei in reichlicher Menge zurückbleibe 793). Zwecks endgültiger Schlichtung der Streitfrage erneuerte 1812 die Haarlemer „Gesellschaft der Wissenschaften“ die (später von anderer Seite bis 1888 wiederholte) Preisfrage, „ob Pottasche ein Produkt der Vegetation der Pflanze ist, oder erst bei der Verbrennung erzeugt wird?“ 794); lehrte Hermbst ä d t doch noch 1815, „die metalli¬ schen Bestandteile der Pflanzen entstehen durch Veränderung des Kohlen¬ stoffes“ 795), etwa des im Humus enthaltenen. Besaß aber die Lebens¬ kraft die Fähigkeit, den „stabilen Aschenstoff“ zu bilden, so war sie ihr betreffs einer „labilen Pflanzensubstanz“ wie des Zuckers gewiß nicht abzusprechen. 2. Was das Wesen des Zuckers betrifft, so hob Macquer schon 1766 hervor, daß alle Folgerungen ,die man aus jenem der Produkte seiner trockenen Destillation zu ziehen pflege, fragwürdig und mit Vorsicht aufzunehmen seien; vermutlich enthalte der Zucker neben viel zarter schleimartiger Erde ein süßes, nicht flüchtiges Oel, sowie eine Säure, die dieses Oel verseift und wasserlöslich macht, so daß er also sichtlich von seifenartiger Natur sei 796). Achard teilte diese Anschauung noch 1791 und hielt die fragliche Säure für die von Scheele 1780 durch Oxydation des Zuckers erhaltene „Zuckersäure“ [= Oxalsäure], die an Phlogiston [den hypothetischen „Brennstoff“] gebunden und dadurch bezüglich ihrer Schärfe gemildert und ausgeglichen sei 797); damaligen Vorstellungen gemäß sollte ein derartiges „Gleichgewicht“ der Bestand¬ teile auch die Bildung von Kristallen begünstigen, und dies traf auch beim Zucker zu, für dessen „Gebilde“ Achard das von Müschen- broek ermittelte spezifische Gewicht 1,606 als das richtige anführt 798). Zugunsten des Vorhandenseins einer Säure im Zucker deutete man auch 792) Berlin 1780; 265. 7e3) Berlin 1791; I, 189 ff. 7Ö4) Bugge, a. a. 0. I, 238. 7Ö5) Sprengel II, 314. 7ee) „Dictionnaire de Chymie“ (Paris 1766) II, 157. 707) „Vorlesungen . . .“ I, 209; 265, 266. 7Ö8) ebd. I, 168. 67*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0121.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)