Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![von Lippmann: Ztschr. Ver. L Dtsch. Zuckerind. die schon seit dem 16. Jahrhundert aus Ostindien vermeldete Anwendung von Zucker oder zuckerhaltigen Flüssigkeiten zur Herstellung eines besonders dauerhaften Mörtels oder „Zementes“, — offenbar, indem man eine Verbindung der „Säure“ mit dem Kalk voraussetzte. Derlei Nach- i ichten liegen aus Ostindien tatsächlich bereits aus sehr alter Zeit (5. Jahrhundert n. Chr.) vor und werden durch verschiedene spätere immer wieder bestätigt '), während zahlreiche neuere Erfahrungen sich weitgehend widersprechen, vermutlich weil die Beschaffenheit des Kalkes und die Mengenverhältnisse eine ausschlaggebende Rolle spielen. 3. Die richtigen Schlüsse, die L a v o i s i e r schon 1789 über Kohlen¬ stoff, Wasserstoff und Sauerstoff als alleinige Bestandteile des Zuckers, sowie über die Art ihrer Bindung gezogen hatte, fanden zunächst selbst bei seinen sonstigen Anhängern, den „Antiphlogistikern“, weder Ver¬ ständnis noch Zustimmung, und das nämliche galt betreffs jener, die den Zerfall bei der Gärung betrafen und in dem Satze gipfelten: „könnte man Kohlensäure und Alkohol wieder verbinden, so müßte daraus der Zucker zurückentstehen“. Der treffliche D ober einer in Jena, der seiner Zeit in vielem voraus war, versuchte ihn noch um 1820 zu verwirklichen, indem er das entsprechende Gemisch von Kohlensäure und Alkohol mit 1 latin-Suboxyd [als Katalysator] behandelte, — freilich ohne die erhoffte „Umkehrung der Reaktion“ erreichen zu können 800). 4. Ueber die Ursache, die eigentlich den süßen Geschmack des Zuckers bedinge, und über die Berechtigung, ihm diesen schon „an sich“ zuzuschreiben, gingen die Meinungen im 18. Jahrhundert noch weit aus¬ einander; Kant sagt hierüber 1792 in den „Philosophischen Hauptvor¬ lesungen“, die erst neuerlich aus Kollegheften eines Grafen vonDohna bekannt wurden801: „Man weiß vom Zucker und von der Süßigkeit über¬ haupt, ... daß es gut schmeckt, allein dies rührt aus unbekannten Giünden her, . . . (denn) Urteile des Geschmacks sind nur subjektiv.“ — Vielfach erörterten auch die Sprachgelehrten jener Zeit die Frage, ob die Worte der verschiedenen Sprachen für „süß“ unmittelbar mit dem Geschmack, Geruch und Gefühl beim Genüsse süßer Pflanzensäfte und Süßigkeiten zusammenhingen? Geläuterte Meinungen bildeten sich aber erst allmählich im Laufe des 19. Jahrhunderts aus, und Grimm faßte sie für die indogermanischen Sprachen und insbesondere hinsichtlich der Worte svadüs (Sanskrit), f-dvg und ylvxog (griechisch), suavis und dulcis t-Lyozj rur öiam; He adle 7) Vgl. z. B. B. D ö h r i ng „C. Z.“ XI, 752 „Int. Sug. Journ.“ XXXV, 81 (1933) für Guyana. 800) „Zur pneumatischen Chemie“ (Jena 1824 ff.) IV, 77; V, 80. ö01) ed. Kowalewski (München 1924), 232. y](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0122.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)