Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![Techn. T. ] Nachträge u. Ergänzungen z.,,Geschichte des Zuckers“. 921 (lateinisch) usf., in seiner „Geschichte der deutschen Sprache“ zu- sammen 802). 5. An den Zucker knüpften sich, seit seine Verwendung in weitere Arolkskreise drang, auch allerlei abergläubische Vorstellungen, die z. T. bis zur Gegenwart lebendig blieben. So z. B. überreicht man mancherorts Neuvermählten ein mit Zucker gefülltes Salzfäßchen, oft auch noch Süßigkeiten oder Marzipan, und sorgt für einen recht süßen Hochzeitskuchen, denn Zucker (der hierbei den vormals gebrauchten Honig ersetzt) bewährt sich als „heil- und zauberkräftig“, wirkt segens¬ reich und verheißt Fruchtbarkeit 803). — Dem Erst- und überhaupt dem Neugeborenen bringen die Nachbarinnen Semmel und Zucker, wenn auch nur für einen Kreuzer, denn das bewirkt, daß er nie im Leben neidisch wird; den größeren Kindern aber schenkt man zum Schulbeginn eine Tüte, die neben einem Ei und Brotrinde auch etwas Zucker enthält, denn daraufhin werden sie lerneifrig, fleißig und gescheit 804). — Setzt ein junges Mädchen dem Kaffee zuerst die Milch zu und dann erst den Zucker, so muß sie noch sieben Jahre ledig bleiben 805). — Herrscht in der Wirt¬ schaft Geldmangel, so lassen sich die jungen Leute von einem alten Weib etwas Zucker und Essig gleichzeitig in den Mund geben, das bringt sichere Abhilfe 806). — Am 1. Januar soll man sich Süßigkeiten schenken, „dann machen sie das ganze Jahr süß“ 807). — Wichtig ist es auch, sich den „Hausgeist“ günstig zu stimmen, der, so wie der antike „Agätho- dämon“ (— guter Geist), als kleine, süße Milch liebende Schlange vorge¬ stellt wurde, weshalb man dem „Erdbewohner“ Milch mit Zucker (der an die Stelle des ursprünglichen Honigs trat) „auf die Bank setzt“. Den bösen Geist aber hält man sich fern, indem man vermeidet, ihn als „Teufel“ zu bezeichnen, vielmehr von ihm nur unter dem umschreibenden und beschwichtigenden Decknamen „Zucker“ spricht 808). Zusätze bei der Korrektur: Zu S. 811: Den „Traditionen“ nach empfahl schon Muhammed den Honig als ein an Wert „dem Koran gleichkommendes“ Heilmittel gegen innere und äußere Krankheiten, und genoß ihn auch selbst, mit 802) Berlin 1868, 2. Aufl.; 212, 227. 803) Eckstein „H. D. A.“ V, 676 ff., 681. 804) ebd. III, 917 ff.; Boette, ebd. VI, 995. 805) Eckstein, ebd. VI, 292, 367. 808) Siebs, ebd. III, 619. 807) Sartori, ebd. VI, 1035. Dies lehrt übrigens schon Ovid in den „Fasten“ I, 185 ff.! 808) Grimm „Deutsche Mythologie“ (Berlin 1878) III, 147, vgl. 197; 309.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0123.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)