Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![das Zuckerrohr von Syrien aus zuerst nach Aegypten gelangte oder ob es nach der Eroberung dieses Landes (640—643) unmittelbar dahin gebracht wurde, steht nicht fest; jedenfalls verbreitete sich aber der Anbau des „persischen Rohres“ binnen eines Jahrhundertes bis nach dem fernen Assuan. Das älteste, erhalten gebliebene Dokument aus Unterägypten ist ein dem Wiener „Papyrus Erzherzog Rainer“ angeh origer Kataster der Zuckerrohrfelder von etwa 750; er bezeugt, wie unbegründet die Zweifel an einer Aeußerung waren, die als solche des berühmten Rechtsgelehrten S c h ä f i' i j y (767—810) betreffs des medizinischen Wertes des Zuckerrohres überliefert ist: „Wäre das Zuckerrohr nicht, ich bliebe gar nicht in Aegypten.“ Aus anderen Schriftstücken des nämlichen Papyrus sind Nachrichten über den Anbau im 8. und 9. Jahr¬ hundert zu ersehen: Man wählt nahe am Nil gelegene Böden, die man siebenmal durchackert, sorgfältig reinigt und mittels besonderer Vor¬ richtungen nochmals nach sechs Richtungen umeggt; gegen Mitte März setzt man die Stecklinge von je drei Knoten und möglichst kurzen Zwischengliedern, bedeckt sie mit Erde und bewässert alle sieben Tage; sobald sich Unkraut zeigt, wird es sofort gejätet, man wiederholt diese Arbeit unaufhörlich und nennt sie „das Treiben des Rohres“; inzwischen wird immer wieder nach Bedarf bewässert, entweder aus Kanälen mit Schleusen, oder aus größeren Sammelgefäßen; um diese mit Schöpf Vor¬ richtungen [aus dem Nil] zu füllen, benötigt man für ein Grundstück von 8 Feddän [—: rund 48 000 qm] zwei Rinder. Die Reife tritt Ende No¬ vember ein, man erntet dann, brennt die Rohrstümpfe ab, bewässert und ackert um. Das Rohr bringt man zu den Pressen, und seine Verarbeitung liefert von 1 Feddän zwischen 40—80 Ablidsch, d. s. flache Kuchen oder Hüte Zucker von je etwa 3 dz Gewicht 248). Wegen der Kostbarkeit der Ware ist der Anbau des Zuckerrohres fünfmal höher besteuert als der des Weizens, nämlich mit 5 Dinar [rund M 50 Goldwert] vom Feddän für den ersten Wuchs und mit 2 Dinar 5 Karat [rund M 23 Goldwert] für den minderwertigen zweiten, den man erhält, wenn man die Rohr¬ stümpfe nochmals austreiben läßt. — Rechnungen aus dem 9. Jahrhundert zeigen, daß damals in Kairo, dem Hauptplatz des Absatzes, Zucker schon zu den „täglichen Ausgaben“ guter Häuser gehörte 249). — In einem 248) Diese Zahlen sind aus landwirtschaftlichen und technischen Gründen unmöglich und weitaus zu hoch; vielleicht ist aber auch ein anderer Ablidsch gemeint als der meist übliche? 249) ,,F ührer durch die Ausstellung des Papyrus Erz¬ herzog Rainer“ (Wien 1894), 183; 205, 218. — v. Lippmann, „Chz.“ LVII, 1009 (1933).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0045.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)