Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![Bezeichnende Einblicke in den Verbrauch eines höchst vornehmen Haus¬ haltes eröffnet das „Küchenbuch“ der Kurfürstin Anna von Sachsen von 1577. Als „süß machende Species“ führt es u. a. auf: Zucker Candit, Valensis [aus Valencia], Canari, Mellis Rafonadi, Mellis Machera [ — Muchera, Mucchara, arabisches Wort für Raffinade], Thomaszucker, Rosen- und Veihel-Zucker, ferner 21 Sorten eingemachter Früchte und 22 „Seffte von Fruchten“; vom Zuckersirup dagegen und vom „gemeinen Honig“ heißt es: „sie tügen [taugen] nicht vor Hern“431). Den mit Zucker getriebenen Luxus bestätigt auch das in Nürnberg um 1560 ge¬ druckte Werk „Ein sehr künstlich und fürtrefflich K o c h b u c h“, das ausführlich die Zubereitung der süßen Speisen und das Einmachen in Zucker behandelt, „diese so guten und heimlichen Künste“; das ebenda etwa zur selben Zeit erschienene große Blatt des berühmten Zeichners und Stechers Jost Amman, „Kaufmannschaft und Handelsstadt“, erweist gleichfalls Zuckerhüte als unentbehrliches Zubehör des kaufmännischen Großhandels 432). 8. Für die Apotheken blieben, wie bereits erwähnt, Zucker und Zuckerwaren auch im 16. Jahrhundert ein wichtiger Gegenstand des Vertriebes, und zwar allerorten. In Italien verfaßte um 1490 Q u i r i c u s de Augustis, Arzt zu Vercelli, das Rezeptbuch „Luminare Apothe- cariorum“, das im Absätze „De artificio zucchari“ (Von der Zuckerkunst) 81 Zubereitungen des Zuckers schildert und durch die frühe Drucklegung' (1495 in Venedig, 1508 in Lyon) alsbald weite Verbreitung fand; vieles aus ihm ging in die späteren Auflagen des zuerst 1494 zu Venedig er¬ schienenen „Luminare majus“ des M a n 1 i u s d e B o s c o über, das den Zucker in ähnlicher Weise abhandelt und sich gleichfalls allgemeinen Ansehens erfreute. — Ein Verzeichnis der Apotheke zu Amiens von 1520 enthält hoethsuker (Hutzucker), melzuker, zuckerkand, zuckerpenid und vielerlei sucker-Confecte 433), desgleichen eines der Braunschweiger Apotheke von 1528 434). — In Nürnberg veranstaltete der Rat 1529 von Amts wegen eine Neuausgabe des „Luminare majus“, doch durften oder sollten die Apotheker Sirupe u. dgl. mit Honig zubereiten, soferne „zu- carum darum zu selten und zu theuer ist“ 435), was wohl infolge kriege¬ rischer oder Handelsstörungen zeitweilig vorkam; auch die Nürnberger „Pestordnungen“ von 1548 und aus den folgenden Jahren empfehlen 431) Zaun ick „Flora“ (Dresden 1934), 76, 78. 432) Neudruck: München 1889. 433) Tschirch I, 1612. 434) ebd. I, 1613. 435) „Festschrift . . .“ (Stuttgart 1933), 46. 64*](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0073.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)