Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![Techn. T. J Nachträge u. Ergänzungen z. „Geschichte des Zuckers“. 889 2. Im Jahre 1620 wurde die erste Raffinerie in Kopenhagen begründet55T) und 1630 durch den Portugiesen C o t i n h o eine solche in Glückstadt 558), die sich aber nicht lange erhalten zu haben scheint. — König Friedrich Wilhelm I., der stets auf Förderung des preußischen Gewerbefleißes bedacht war, erteilte 1720 und 1721 dem Kauf¬ herrn Naudy aus Amsterdam die Erlaubnis, in Stettin zwei Raffi¬ nerien sowie eine Handelsgesellschaft zu begründen, sicherte ihm „größe- staatliche und commercielle Vortheile“ und ernannte ihn zum Hof rate Das Kapital betrug anfangs 225 000 M [den Taler zu 3 M gerechnet], mußte aber 1721, bei der wegen Raummangels nötigen Erbauung der zweiten Raffinerie, erhöht werden, denn der Wert der Liegenschaften und Werksvorrichtungen wurde damals bereits mit 90 504 M, und der des vorhandenen Zuckers mit 283 441 M festgestellt. Einen Siedemeister ließ man aus Hamburg kommen, der alten Stätte der Zuckerraffination 559), und bewilligte ihm 600 M nebst 150 (zeitweilig auch 200) M für Ver¬ pflegung; der Jahreslohn für sechs geübte Gehilfen, die er mitbrachte, belief sich auf je 300 M, der für den ersten Buchhalter auf 450 M, für den „Commis im Magazin“ auf 270 M, für 2 andere Commis auf je 150 M. Einen Posten Rohzucker aus Domingo, verpackt in Fässern von 312 bis 330 kg, bezahlte man in Bordeaux mit 10 505 holl. fl. (= rund 17 516 M), aber Fracht, Versicherung, Zoll und kleine Ausgaben bis „loco Stettin“ machten nicht weniger als 4338 fl. aus (= rund 7230 M), verteuerten ihn also um 43,2% des Kaufpreises! Hergestellt wurden hauptsächlich die beliebten „Klein-Melis“ (Hüte von F/4 kg), sowie verschiedene gewöhn¬ liche und feine Sirupe. Leider hatte der König sein Vertrauen einem Nichtswürdigen geschenkt, denn Naudy beging große Betrügereien, machte 1726 Bankerott und flüchtete heimlich, wodurch die Zucker¬ industrie Stettins für fast 70 Jahre ein unrühmliches Ende fand 560). 3. Zwei kleine Zuckerraffinerien entstanden 1800 auch in F r a n k - f urt a. 0., waren dort 1805 noch nachweisbar, dürften aber bald nachher, spätestens jedoch 1812, ihren Betrieb eingestellt haben, als daselbst eine Rübenzuckerfabrik errichtet wurde; auch diese erhielt sich übrigens nur bis gegen 1814 561). 557) „C. Z.“ XI, 270 (1932). 558) Löw IV, 578. 550) Ueber ihre Anfänge um 1600 und ihre weitere Entwicklung bringt B e c k e r’s „Geschichte des Hamburger Zuckerhandels“ (Rostock 1933) nichts wesentlich Neues bei. ö6°) v. Lippmann „D. Z.“ LVII, 467 (1932). 561) Ulrich „Oder-Zeitung“ (Frankfurt a. O. 1931) vom 12. Juni.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0091.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)