Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![[Dtsch. Zuckerind. zeitlich aber nicht sicher bestimmbares Alter zurück. In Aegypten be¬ nutzte man noch im 7. Jahrhundert n. Chr. große Mengen solchen Sirups sowie eines gegorenen Getränkes, des Dattelweines, und die Palmbäume wurden dieserhalb in die Kataster aulgenommen und besonders be¬ steuert 575). Im 14. Jahrhundert erwähnt Ibn B-attuta die Herstellung von Palmzucker aus Dattelpalmen zu Basra und Oman, ferner auch die aus Kokos- und Dum-Palmen 576). In Indien und Ceylon führen die Säfte der Palmyra- und Kitul-Palmen nach Anon 8—10% und 10—12% Zucker 577), und nach Bose ergeben die hauptsächlich benutzten Arten, Phoenix dactylifera (Dattelpalme) und Borassus flabelliformis, vom 15. bis zum 65. Jahre binnen je 2—5 Monaten, in denen 4 Sammeltagen stets 2 Ruhetage folgen, täglich 4—10, ja 19—22 1 Saft; eine Palme kann daher jährlich im Mittel 1000 1 und im ganzen Leben an 1200 dz Saft liefern, die 10% = 120 dz rohem Zucker entsprechen 578); aus dem besonders reinen Safte der Nipa-Palme vermag man sogar auch unmittelbar Weißzucker [= einen ganz hellen Zucker] herzustellen 579). Die Vorgänge beim Ent¬ stehen und Auf steigen des Saftes bezeichnet Bose als noch sehr wenig aufgeklärt. Nach den Erfahrungen Molisch’s genügt es bei der Kokospalme nicht, bloß den Blütenstand abzuschneiden, vielmehr muß man das Scheidenblatt des reifen Kolbens derart aufschlitzen, daß die Spindeln zu Tage liegen, und wenn man diese erst um ein 6 cm langes Stück ver¬ kürzt und nach 5—6 Tagen um ein weiteres, 2 cm langes, dann wird auf diesen Wundreiz hin der Saft durch Osmose abgeschieden; bei der Dattel¬ palme hat man 12 Blätter zu entfernen und die so entstandene Wunde während mehrerer Tage sorgfältig anzuschaben, worauf der Baum bis 90 Tage lang mindestens je 3 1 Saft absondert, in seiner ganzen Lebens¬ zeit also bis 8000 1, die rund 8 dz Zucker ergeben 58°). 2. Die Herstellung von Ahornzucker, oder doch Ahornsirup, sollen schon die in Nordamerika, namentlich in Kanada, ansässigen In¬ dianer verstanden, und den Eintritt des Saftansteigens im beginnenden Frühjahre durch besondere „Ahorntänze“ gefeiert haben. Von ihnen übernahmen die Kolonisten die „Kunst“, aber erst um 1685 führten die 575) „Führer durch die Ausstellung des Papyrus Erzherzog Rainer“ (Wien 1894), 144; 205; 221, 242. 576) a. a. O. II, 9, 129; II, 209, 210, und IV, 113; IV, 187. 577) „Chz.“ LYI, Rep. 11 (1932). — Heber die Arenga-Palme s. bei Sprecher v. Bernegg, a. a. O. I, 411 ff. (Stuttgart 1929). 578) „Chz.“ LVI, Rep. 148 (1932). 579) Roxas „Z. f. Z.“ LXXIX, 838 (1929). 58°) „Chz.“ LIV, 392 (1930).](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0094.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)