Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann.
- Edmund Oscar von Lippmann
- Date:
- 1934
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Credit: Nachträge und Ergänzungen zur "Geschichte des Zuckers" / von Edmund O. von Lippmann. Source: Wellcome Collection.
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![französischen einen regelmäßigen Betrieb in größerem Maßstabe ein, ver¬ sahen die Bohrlöcher mit Binnen, unter die man bedeckte Sammeleimer hing, und verkochten den Saft in größeren, flachen, aber noch offenen Pfannen581). — In Europa schenkte man dem Ahornzucker erst Aufmerk¬ samkeit, als infolge der Zerstörungen in Domingo die große Teuerung des Zuckers eintrat, die nachher durch die Kontinentalsperre N a po¬ le o n ’ s noch verschärft wurde. Eingehende Versuche stellte u. a. seit 1796 Hermbstädt im Berliner Tiergarten an und beantragte auf sie hin, allmählich 5 Millionen Bäume anzupflanzen, deren jeder jährlich 1,25 kg Zucker und Sirup ergeben sollte 582). Laut „brieflichen Mitthei¬ lungen aus sehr sicheren Händen“ erhielten die Berliner Raffinerien aus den Hermbstädt' sehen Proben „einen vollkommen weißen, schönen Mittelzucker [= Melis], für dessen Güte das Zeugniß des regierenden Königs und seiner Gemahlin spricht“, und demgemäß strebte man auch anderwärts gleichen Zielen nach, so „mit schönen Aussichten“ auf den Gütern des Grafen von Veltheim in Harbcke unweit Braun¬ schweig583). — In Oesterreich faßten die nämlichen Bestrebungen eben¬ falls Boden, und Kaiser F ranz II. förderte sie „durch Auszeichnung der größten Producenten“; die höchste Menge, 205 dz Sirup und 27,5 dz Zucker, erreichte 1812 V e i t h zu Liboch bei Leitmeritz in Böhmen 581). In Ungarn ließ um und nach 1811 Graf Z i c h y 20 000 Stämme an¬ pflanzen, und auch Kietaibel erwies sich als tätiger Anreger 585). — Neue Hoffnungen knüpften an den Ahornzucker über 20 Jahre später der Professor der Botanik in Gießen, Wilbrandt-, und, durch ihn beein¬ flußt, kein Geringerer als L i e b i g : dieser verfocht, auf ihre gemein¬ samen Versuche gestützt, noch 1834 die Ansicht, „Deutschland vermöge, bei systematischer Anpflanzung der erforderlichen Bäume, binnen 25—30 Jahren seinen gesamten Zuckerbedarf selbst zu decken und so jährlich mindestens 30 Millionen Thaler zu ersparen“, und seine lange Zeit fort¬ dauernde Abneigung gegen die sich entwickelnde Rübenzuckerindustrie ging vielleicht auf diese seine Ueberzeugung zurück 586). — Dauernde 581) „D. Z.“ LIX, 352 (1934). 582) Ulrich „D. Z.“ LV, 569 (1930); vgl. die Berichte von K 1 a p r o t li , Scherer, u. A., in Klaproths „Chemischem Wörterbuch“, Suppl. IV, 470 (Berlin 1819). 583) „Braunschweigisches Wochenblatt“ 1799: I, 65. 584) Grotkass „Z. f. Zuckerind.“ (Prag 1929) NI, 148. 585) v. Szathmäry „Z.“ (Berlin 1931) LXXXI, 852. 586) Speter „D. Z.“ LIX, 572 (1934)- Bei diesem Anlasse erwähnt Lie- b i g, daß die Rohsäfte aus Ahorn, aber auch aus Zuckerrübe und Zuckerrohr, beim Kochen mit Kalk sehr viel Ammoniak entwickeln, offenbar infolge eines](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b2982641x_0095.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)