Die Lehre von der Brucheinklemmung : klinisch-experimentelle Studie unter Benutzung von 160 in der Kgl. Chirurg. Klinik zu Breslau beobachteten Fällen von Brucheinklemmung.
- Reichel, Paul, 1858-
- Date:
- 1886
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Credit: Die Lehre von der Brucheinklemmung : klinisch-experimentelle Studie unter Benutzung von 160 in der Kgl. Chirurg. Klinik zu Breslau beobachteten Fällen von Brucheinklemmung. Source: Wellcome Collection.
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![mit heftigen reissenden Schmerzen an der innern Seite des Oberschenkels bis hinab zum Knie begannen. Bei der Aufnahme fand sich folgender Status: Patientin ist äusserst collabirt; Facies hippocratica; Puls fadenförmig, macht GO Schläge pro Minute; beständiges Erbrechen fäkaler Massen. Leib aufgetrieben und ge- spannt; durch die Bauchdecken lassen sich die heftigen peristaltischen Be- wegungen der Därme deutlich erkennen. Crural- und Inguinalpforten sind frei. Hingegen fühlt man bei der äusserst magern und mit schlaffer Mus- kulatur versehenen Patientin deutlich nach aussen vom rechten Adductor longus, etwa 1,5 cm nach innen von der Artei-ia femoralis, unterhalb des Ligamentum Pouparti, entsprechend dem äussern obern Umfange des Poramen ovale in der Tiefe eine etwa wallnussgrosse, elastisch weiche, auf Druck schmerzhafte Geschwulst. Dieser Befund, sowie die charakteristischen Schmerzen an der innern Seite des Oberschenkels Hessen mit Sicherheit die Diagnose einer einge- klemmten Hernia obturatoria stellen. Daher wurde sogleich in Narkose zur Operation geschritten, und die Bruchgeschwulst durch einen 5 cm langen Schnitt blossgelegt. Der Bruchsack zeigte sich deutlich aus 2 Schichten bestehend; er enthielt keine Spur von Bruchwasser. Der in ihm vorliegende Bruch war dunkelroth gefärbt, von gutem, glänzenden Aussehen bis auf eine linsengrosse, schwärzlich verfärbte Stelle und schien nur aus einem Theil der Darmwand zu bestehen; wenigstens lag der Mesenterialansatz nicht ausserhalb der Bruchpforte. Die Spitze des Zeigefingers drang neben dem Darm in den Anfang eines sich trichterförmig nach innen verengenden, in der Richtung von innen unten nach aussen oben verlaufenden Kanales. Pulsation der Arteria obturatoria war nicht zu fühlen. Erst nach mehr- fachen kleinen Einkerbungen nach unten und innen gelang die Reposition der Schlinge, worauf der Finger in der ganzen Länge des Kanales einge- führt werden konnte. — Bald darauf, während der Vereinigung der obern Wundhälfte, stürzte indess plötzlich flüssiger Koth in grosser Menge aus der Wunde hervor. Es gelang nicht, die Darmschlinge wieder herauszuziehen. Bald nach dem Erwachen aus der Narkose klagte Patientin über die hef- tigsten Schmerzen, erbrach mehrmals kothige Massen, collabirte schnell und starb 2 Stunden post operationem. Von dem Öbductionsbefunde sei nur erwähnt, dass der rechte Canalis obturatorius sich so weit offen fand, dass die Kuppe des Zeigefingers in seinen Eingang eingeführt werden konnte, der Musculus obturator externus selbst nicht incidirt erschien. Die 5 mm lange Rupturstelle fand sich circa S Fuss oberhalb der Ileocöcalklappe. Ober- und unterhalb von ihr mar- kirte sich am Darm durch eine stark tiefbraune Injection die Einschnürungs- stelle. Der zwischen beiden Schnürfurchen gelegene Darmtheil war etwa ,6 cm lang. Die braune Verfärbung ging von dem Darm auf den an- liegenden Mesenterialabschnitt etwa 2 cm breit über, so dass doch anzu- nehmen ist, dass die ganze Darmschlinge, nicht nur ein Theil ihrer Wand, im Bruchkanal gelegen war. Im kleinen Becken fanden sich dünnflüssige Kothmassen in massiger Menge. Reiche], Die Lehre von der Brucheinklemmung. 2](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21209789_0027.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)