Anorganische Fermente : Darstellung kolloidaler Metalle auf elektrischem Wege und Untersuchung ihrer katalytischen Eigenschaften / Kontaktchemische Studie, von Georg Bredig.
- Georg Bredig
- Date:
- 1901
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Credit: Anorganische Fermente : Darstellung kolloidaler Metalle auf elektrischem Wege und Untersuchung ihrer katalytischen Eigenschaften / Kontaktchemische Studie, von Georg Bredig. Source: Wellcome Collection.
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![Modium durch den Zusatz gewisser Ionen geändert werden hann. Wir haben hier also ein gewisses Analogon der gewöhnlichen kapillareleh- trischen Erscheimmg. Diese Analogie geht aber noch weiter: Aus den theoretischen Betrachtungen über das Lippmannsche Phänomen nach Helmholtz u. a.') wissen wir, dass die Oherflächen- spannung des Quecksilbers gegen die Elektrolytlösmig dann ein Maximum erreicht, wenn die Potentialditferenz beider Phasen Null geworden ist. Nun hat Herr Hardy beobachtet, dass die Suspensionen, resp. Kolloide dann am leichtesten zusammenflocken, also ihre Oberfläche zu ver- kleinern sti-eben, wenn sie mit dem umgebenden Medium „i so elektrisch“ geworden sind, d. h. wenn auch ihre Potentialdifferenz gegen das Medium Null ist. Ich möchte daher nun die Theorie anfstellen, dass es sich auch bei der Koagulation um eine kapillarelektrische Ober- flächenverkleinerung handelt, welche um so schneller verläuft, je grösser diu’ch Verminderung der Potentialdifferenz unter gleichzeitiger Adsorp- tion die Oberflächenspannung der Suspension gegen das Medium wird. Da nach Helmholtz u. a. diese Oberflächenspannung in Hardys isoelekü’ischem Punkte ein Maximum haben muss, so erklärt diese meine Auffassung der Koagulation als „Lippmann-Phänomen“ auch die Hardysche Beobachtung, dass gerade die isoelektiischen Kolloide und Suspensionen am instabilsten sind und am schnellsten zusammen- flockeu, d. h. ihre Oberfläche verkleinern. Besonders interessante Fälle liefert die elektrische Wanderimg und Ladung derjenigen Kolloide, welche selbst Ionen zir lieferir im stände siird: Coehn hat schon gezeigt, dass das kolloidale basische Eisen- hydroxyd irrcht wie andere indifferente Kolloide zur Anode wandert, soirdern zur Kathode. Besonders irrteressant aber ist der von Hardy beobachtete Fall, dass Eiweiss irr sairrem Wasser elektropositiv ist, also fl Vergl. Ostwald, Lehrb. d. allg. Chem. (2. Aufl.) II (1), 920—948. Rotli- mund: Zeitschr. f. pbysik. Chem. 15, 1 (1894). ■fl Meine Theorie ist nicht mit der von Hardy (1. c.) nur angedeuteten, von .1. J. Thomson herrührenden, wenig klaren Theorie identisch. Zwar macht auch Hardy eine Helmholtzsche Doppelschicht für Kontaktpotential, Wanderungs- richtung und Stabilität der Kolloide vei'antwortlich, wobei er aber seinen Voi’gänger Coehn (1. c.) nicht erwähnt. Ebensowenig ist meine Theorie identisch mit der Tlieorie von Wetham (Phil. Mag. (5) 48, 474 (1899), wobei bemerkt sei, dass auch ich (Zeitschr. f. angew. Chem. 1898) bereits früher das elektrostatische Feld der Ionen zur Erklärung ihrer sedimentierenden Wirkung herangezogen habe. Der von Finder u. Picton, Schulze u. a. [Journ. f. prakt. Chem. (2) 25, 4:51 (1882)] ge- fundene Einfluss der Wertigkeit des Kations ist wohl auf den grösseren Gehalt an hydrolytisch abgespjiltener Säure in Salzen mehrwertiger Metalle zurückzuführen.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28118467_0019.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)