Volksmedizin und medizinischer Aberglaube : in Bayern und den angrenzenden Bezirken, begründet auf die Geschichte der Medizin und Cultur.
- Lammert, G. (Gottfried), 1827-
- Date:
- 1869
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Credit: Volksmedizin und medizinischer Aberglaube : in Bayern und den angrenzenden Bezirken, begründet auf die Geschichte der Medizin und Cultur. Source: Wellcome Collection.
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No text description is available for this image![heilkräftige Pflanzen und benannte sie, sowie die aus denselben bereiteten Arzneimittel, dankbar für gelungene Curen, nach jenen Heiligen, welche als Schutzpatrone in gewissen Krank- heitsformen verehrt wurden ]). Ein Theil dieser gewonnenen Erfahrungen ging von den Priesterärzten frühzeitig über auf einzelne begabte Männer aus dem Laienstande, auf die „weisen Männer und Frauen, welche sich aber später zum Theil durch geheimnissvolle, abergläubische Gebräuche und durch den Missbrauch wirklicher Heilmittel als Gifte (cpao(taxo)') den Ruf von Zauberern und Hexen zuzogen. Auf diese Weise entwickelte sich aus der ursprünglich mehr kirchlichen und geistlichen Praxis der Medizin allmälig und neben derselben eine eigenthiimliche Art von Volksthera- peutik, welche theils in heidnischem Boden wurzelnd, theils durch christliche Bräuche und vom Auslande eingewanderte Er- fahrungen bereichert2), die Grundlage bildet unserer heutigen populären Heilkunde, und zäh und fest dem Volke anklebt mit hundert andern aus der Vorzeit ererbten Branchen und Vor- urtheilen. (Cfr. Horsch, mediz. Topographie v. Wtirzb. 379.) Im 12. und 13. Jahrhundert wurde vom päpstlichen Stuhle dem Clerus die Ausübung eines wesentlichen Theiles der Medizin, - - 1) Solche Namen, zum Thcile gesammelt in Joh. Bauhini de planus a Divis et sanetis nomen trahentibus , und in Haupt's Zeitschrift I. 143. verdienen Erwähnung; so z.B. St. Antoniuskraut, auch St. Barbarakraut, Benedictenwurz, Heil aller Welt genannt (Gcum urbamim); — Christ- vrurz (Helleborus niger); — Christanswurz (Lathyrus tuberosus); — St. Christoffelskraut (Aetaea spicata) :— St. Clarakraut, auch St. Jörgen- kraut, Speerkraut (Valeriana offic): — St. Colmariskraut, Gauchheil (Anagallis arvensis);— Dreifaltigkeitsblümchen (Viola tricolor) ; S. Jörgen- wurz (Orobanche aphyllon); — S. .lacobsblume (Senecioarten); — S. Johanniskraut, .Toharmisgüitel, Sonnemvondgürtel, Beifuss (Hyperi- cum perl'or.): — S. Johannsblumc (Buplithalmnm specios.): — Katharinen- hlume (Nigella sativa);— Laurentiuskraut (Sanicula-Arten oderCynan- chum vincetox.) ; — Mariendistel: — Mariengras (H\dn>chloa oder.) : — Mngdalenenkraut (Levisticum): — Maria-Magdalencnkraut (Valeriana celtica): — S. Ottilienkraut (Delphinium): ■— S. Peterskraut (Parietaria): — S. Peterskorn (Triticum speltha):— S. Petersschlüssel, Himmelssehlüsscl (Primula elat, et off.) : — S. Roberts-, S. Ruprechtskraut (Geran. robert.) ; — S. Zachariasbhime (Centaur. cyan.) — Eines der ältesten Denkmäler dieser Mbnchsmedicin ist das „Pulvis contra omnes febres et contra omnia venena et contra omnes angustias cordis et corporis aus dem !). Jahrb. in einer HS. des Domstil'ts Würzburg. Eckhardt, Comment IL 988. — 2) Das älteste deutsche Originahverk der Mönchsmedizin vereinigt mit den Erfahrungen der Volkstherapie sind die Libri subtilitatum diver- sanim natur. creatur. der hl. Aebtissin Hildegard zu Bingen, f 1179 ed. Migne, Paris 1855. 4.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21016641_0012.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)