Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
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Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
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![• « mit einer liöflichen Abscliiedsverbeiigniig — den Ärzten unter seinen Zuhörern seine Verehrung bezeigt (auch für den gesamten Hörer- kreis, der von der „Menge‘^ scharf unterschieden wird, fällt ein Kompliment ab) und gleichzeitig ihre Hochachtung für sich in An- spruch nimmt, für sich und seinen Stand, den der Schriftsteller und liedner, der den ärztlichen Praktikern als ein gleichberechtigter Faktor gegenübertritt. Er sagt uns somit so deutlich, als er es zu tun vermochte, daß er zwar ein Freund und Anwalt der Arzte, aber selber kein Arzt sei. Freilich sagt er uns auch damit kaum etwas Neues. Denn zu den hervorstechendsten Charakterzügen unseres Büchleins gehören einige Merkmale, welche jedes für sich genommen und zumal in ihrer Vereinigung in betreff jenes Sach- verhaltes keinen Zweifel übrig lassen. Es sind dies: die ungemein durchgearbeitete Kunstform des Werkes, welche uns noch vielfach beschäftigen wird und die in den ärztlichen Schriften der hippo- kratischen Sammlung so wenig als in der medizinischen Literatur überhaupt ihresgleichen hat; — der Trieb zum Allgemeinen, welcher den Autor jeden Anlaß ergreifen, ja begierig aufsuchen läßt, um aus dem engen Hahmen seines unmittelbaren Themas hinaus- zutreten und Aussprüche sowie Erörterungen der allerallgemeinsten Art in wahrhaft verschwenderischer Fülle auszustreuen (über Er- kenntnisprinzipien, über Sprachentstehung, über Kunst und Zufall, über Kausalität, über Naturanlage und Bildungsmittel, über die Ge- werbe und ihr Verhältnis zu den iVrbeitsstoffen und -Mitteln; — endlich und hauptsächlich die Bezugnahme auf (zwei oder mehr) sonstige Schriften desselben Verfassers, welche erkenntnistheore- tischen Eragen und einer Erörterung der übrigen Künste und Ge- werbe gewidmet und somit nichts weniger als ärztliche Fachschriften gewesen sind (3 und 9). Doch nicht nur was unser Autor nicht war, auch was er war, vermögen wir jetzt zuversichtlich auszusprechen. Ist doch der Verein von Eigenschaften, welcher sich uns für die Schrift „Von der Kunst^^ als charakteristisch erwiesen hat, zugleich das entscheidende Kenn- zeichen einer schriftstellerischen Gattung von scharf ausgeprägter Eigenart, von welcher wir bisher freilich fast nur mittelbare Kunde besaßen. Denn jene Männer, welche uns — in einer bestimmten Phase der griechischen Geistesentwicklung — als Vertreter nicht eines besonderen Einzelwissens, sondern der allgemeinen Bildung ]je- gegnen, welche mit einem Euße in der Phetorik und mit dem anderen in der Philosophie stehen, die zugleich Sprachkünstler und Welt-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0014.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


