Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
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Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
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![Sinneswalirnelimimgen [ävTiSiaiQOüv raTq alcrß/jcFsai) gebraucht hat. Allen diesen Äußerungen ist nicht mehr bloß die ständige Anwen- dung des Wortes yvcopi?], und zwar in erkenntnistheoretischen Er- örterungen gemein, eine Verwendung, welche den bezüglichen Schriften Platons (um von Aristoteles zu schweigen) bereits völlig fremd geworden ist; was sie noch enger verbindet, ist nicht so sehr die Gegenüberstellung der Sinne und des Intellekts als dasjenige, was hierzu den immer wiederkehrenden Anlaß bietet: die fort- währende Nebeneinanderstellung oder Koordinierung von Sinneswerkzeugen und Sinnes Wahrnehmungen einerseits, dem Geist und der Geisteserkenntnis andererseits. Hier tritt uns somit neben einer gemeinsamen Phase des Sprachgebrauchs auch eine bestimmte Entwicklungsstufe des spekulativen Denkens entgegen. Wir mögen die Eigenart derselben richtig oder unrichtig erfassen, wenn wir sie als einen ersten Versuch des Sichlosringens von der alten, ja ur- anfänglichen Identifizierung jener zwei Sphären bezeichnen,^ ohne daß doch über die spezifische Natur der eigentlich intellektuellen Verrichtungen — des Abstrahierens, des ürteilens usw. — noch irgendwelche Klarheit gewonnen war, so daß alle Erkenntnisprozesse nur als Unterarten der einen Anschauung erschienen. Doch dem sei wie ihm wolle, jedenfalls weisen diese auffallenden Überein- stimmungen der Ausdrucks- wie der Denkweise unser Bemühen um zeitliche Fixierung der Schrift „von der Kunsfi^ in engere und engere Grenzen. Wir werden nunmehr ihren Verfasser mit höchster W^ahr- scheinlichkeit unter den Zeitgenossen des Kritias und Antiphon, d. h. zum mindesten in den letzten Jahrzehnten des 5. Jahrhunderts zu suchen haben. Und dazu wären wir auch dann befugt, wenn unserer Schlußfolgerung nicht aus dem weiteren Verlauf jenes onto- logischen Abschnittes die schlagendste und überraschendste Be- kräftigung erwüchse. Sogleich die nächsten Worte nämlich, in welchen der Autor seinen metaphysischen Haupttrumpf ausspielt, lauten wie folgt: JAP OTtcog 1X7} ovK 7] TOVTO TOiovTOV' äWä Tcc jxev hövra aiel öoärocL T£ Tcal y iv(x)GX£t ai ^ rä Se fX7] hövrcc ovre öoärai ovre yLV(jjGX£Tai. („Aber es wird dem wohl nicht so sein; sondern das Seiende wird immer geschaut und erkannt, das Nichtseiende aber wird weder geschaut noch erkannt.“) Ich nenne diesen Satz den metaphysischen Haupttrumpf unseres Autors, weil er den Abschluß der prinzipiellen Erörterung bildet —](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0017.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


