Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
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Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
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![Seite daß die antike, wenn aiicli auekdotenliafte Tradition von einem Wortgefeclite zwischen Protagoras und dem Eleaten Zenon zu melden wußte, vgl. Simplicius zu Aristot. Pliys. VII 5, 1108, 18 ff. Diels. ^ Diels faßt Melissos und Protagoras mit den Worten zusammen: „Die Epoche von Thurioi gilt auch für diese beiden Philosophen.“ Die 84. Olym- piade stellt die Blütezeit des einen wie des anderen dar, indem Melissos Olymp, 84, 4 als samischer Feldherr den bekannten Seesieg errungen, Prota- goras in derselben Olympiade an der Koloniegründung von Thurioi als Gesetz- geber mitgewirkt hat (Diels, Chronologische Untersuchungen über Apollodors Chronika, Rhein. Mus. 31, 40f.). Das Geburtsjahr des Melissos ist uns unbe- kannt, als jenes des Protagoras läßt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit, wie ebendort Diels ausführt, Olymp. 74, 3 = 482/1 festsetzen. ^ Der tiefe, aber bisher, soviel ich sehen kann, nicht gehörig verstandene 26 Sinn jener Stelle ist dieser. Die Naturphilosophen, von denen der eine die Luft, der andere das Feuer usw. für das einzige Reale, für das ev aal nav er- klärt, stehen, soweit ihre positive Aufstellung reicht, auf dem Boden des Sinnen- zeugnisses — denn wie kämen sie sonst dazu, von Erde, Luft und Wasser usw. zu sprechen? —, verlassen aber denselben, insoweit sie die Realität der übrigen Stoffe verneinen. Indem nun jeder von ihnen die Behauptungen der anderen bestreitet, erschüttern sie vollends ihre gemeinsame Basis, jeder vernichtet den Rest von Autorität, welchen der andere der Erfahrung noch zuerkannt hatten und auf ihrer wechselseitigen Widerlegung fußt die Lehre, welche die Gültig- keit der Wahrnehmung überhaupt bestreitet und die Realität der Sinnen weit durchaus und folgerichtig leugnet. Es ist dies mehr als eine witzige und scharfsinnige polemische Wendung. Sie zeugt m. E. auch von richtiger Ein- sicht in die Genesis der eleatischen Doktrin. Auf die Diskreditierung des Sinnenzeugnisses, welche in der Stofflehre der alten Physiologen gelegen ist, hat Lucrez mit treffenden Worten hingewiesen, welche nur eben Heraklit, gegen den sie unmittelbar gerichtet sind, am wenigsten treffen, I 690ff.: Dicere porro ignem res omnis esse neque ullam | rem veram in numero rerum constare nisi ignem, | quod facit hic idem, perdelirum esse videtur. [ nam contra sensus ab sensibus ipse repugnat | et labefactat eos, unde omnia credita pendent, | unde hic cognitus est ipsi quem nominat ignem; ] credit enim sensus ignem cognoscere vere, | cetera non credit e. q. s. Verallgemeinert und auf die übrigen Naturphilosophen ausgedehnt wird dieser Gedanke V 705ff. ^ Diese persifliert Platon augenscheinlich durch eine Wendung, wie sie 27 uns Protag. 327^ begegnet: el fuQ Öj) o Xefco ovtcoq sxbl — Ss ^äliaxa nävTcov ovTcog — xtb., oder 324*^: anoÖBÖBiKTai aoi, &> ^coaQaxBg, taavag, äg y Bjiol (paivBTai. ^ Vgl. S. 123. Die Wiederholung derselben Worte und Wortstämme, die in unserer Schrift so auffällig ist, haben wir allerdings als eine Eigentümlich- keit des alten Stiles kennen gelernt (vgl. Einleitung S. 9), doch hat Platon auch diese Besonderheit der protagoreischen Diktion sicherlich mit Absicht verspottet, an vielen anderen Stellen und zumal 326*^: dXV dxBxvag üujibq of X Qa ix^axifT Tal rote f.u]7ico ÖBivoTg Yqdq)Biv tCjp naldcov vnof qäipavxBg ^qa^^dg X7] fQacplÖL ovxco TO TetoT didöaac aal dvafaaCoven YQ(tq)6iv xaxd xxjv vq)i]fr](jiv xd)v fgafjixcov, cog Öb aal i) nöltg vo^iovg vxioxqd'ipaaa axB. — Hier ist auch der Alliteration zu gedenken, eines Kunstmittels, von welchem unser Anonymus einen zwar sehr mäßigen, aber doch, wie ich meine, als be- wußt und absichtlich erkennbaren Gebrauch macht. Vgl. 1: xovg fih ovv ec T«c alXag XBXvag xovxco xd) xqöncq ^mlnxoPTug, 8: dxvoBt afvoLav dqfiögovffLV fiavlij](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0179.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


