Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
Licence: In copyright
Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
182/200 page 170
![Seite zwischen der platonischen Äußerung und der Auslegung, die wir ihr auf Grund des von Idaton selbst -gezeichneten Bildes des Protagoras geben müssen, einer- seits und dein Gehalt der Schrift llkol Te'/vi]g andererseits. Protagoras hat aller Wahrscheinlichkeit nach die verschiedenen ,,Künste“ sehr verschieden behandelt — die Mantik z. B. ganz anders als die Weberkunst! Doch selbst wenn er eine Gesamtapologie für die große Mehrzahl der Künste und Sehutz- schriften für eine Anzahl einzelner Künste verfaßt hat, konnte Platon diese Tatsachen für den Zweck, den er hier im Auge hat, gar wohl verwerten. Eine Prätension der Allwissenheit ließ sich selbst in diesem Bemühen erkennen. Als anmaßlich durfte es gelten, wenn der Sophist besser als die Vertreter des fachmäßigen Wissens und Könnens ihre Leistungen Angreifern gegenüber dar- stellen und verteidigen zu können glaubte. Endlich, der Verfasser der Anti- logien, der Urheber des Wortes, daß es in jeder Sache ein Für und ein Wider gebe, hat es gewiß nicht unterlassen, die Verteidigung mit dem Angriff derart zu verbinden, daß der Leser gleichzeitig mit den Argumenten bekannt wurde, die sich zugunsten und zuungunsten der aufgestellten These Vorbringen ließen. Mau vergleiche hieröinit.: ^jEqel 8rj 6 Tävavxia ley(xiv und viele andere der- artige Wendungen. Daß aber Platon, dem es um die Schilderung und um die Verkleinerung der ufiqjiaßrjirjTixrj und zu tun ist, diese Seite der Sache mit Vorliebe betont, wie sollte uns dies wundernehmen? Schließlich sei noch auf einige Erwägungen zweiter Ordnung hingewiesen. Wie schlecht würde die vermeintliche Generalanklage aller Künste und Gewerbe zu der Vorsicht und Behutsamkeit stimmen, deren Platon den Abderiten sich berühmen läßt, Protag. welche auch Timon ihm nachrühmt (naaav s/cov cpvlax^v im- sixsirjg, frg. 48 Wachsmuth^), und die für den überall und nirgends heimischen Wanderlehrer in der Tat ein Gebot unabweislicher Notwendigkeit war! Wie schlecht auch zu seinem Preis der Gymnastiker und Arzte Ikkos und Hero- dikos! (Vgl. das S. 105 und 117 Angeführte nebst Prot. 317*^: xaLioc noXlä fs eiT] yjdrj elfxi iv xfj xs/i’]], eine Äußerung, deren Form viel zu auffällig ist, um absichtslos zu sein, und schwerlich jeder tatsächlichen Grundlage entbehrt. Zum mindesten wird der älteste Sophist und der Begründer des ganzen Berufs- zweiges diesen von den übrigen xs/pai und di]iiiovQYiai, wozu ja auch der ärzt- liche Beruf seit Homer gerechnet ward, nicht scharf unterschieden haben, wovon der die Banausen verachtende philosophierende Aristokrat mit schmun- zelndem Behagen Kenntnis nimmt.) Was wollen daneben die Sticheleien gegen Hippias besagen. Protag. 318®, die Platon ihm in den Mund legt, und durch welche man seine Gegnerschaft gegen die xsxvoil erhärten zu können glaubt? 29 1 Über die Worte öaörj^oaLoofxevn nov xaxaß6ßh]iai, Sophist. 232die Schleiermacher und H. Müller wenig zutreffend übersetzten, habe ich Herodot. Stud. I 38 (176) gehandelt und daselbst meine Auffassung auf den aristotelischen Sprachgebrauch gleichwie auf den Nachweis gestützt, wie xaxaßälXco zu der Bedeutung des Ausstreuens und Verbreitens gelangt ist; auch Antipho Fgm. 57 (58) Blaß^ hätte erwähnt werden sollen^ desgleichen [Philo] de incorruptib. mundi 12 = 242, 10 Bernays und ebenda 256, 1. Längst vorher hatte Campbell, dessen Ausgabe ich damals nicht kannte, die Stelle ebenso verstanden und an Aristot. Eth. Nie. I 3 erinnert. ^ Man könnte gegen den protagoreischen Ursprung der Schrift vielleicht die folgende Erwägung ins Feld führen. Ein Widerspruch, wie wir einen solehen zwischen der subjektivistischen Auffassung des Homo mensura-Satzes und dem Götterfragment naehgewiesen haben, besteht (so läßt sich nicht ohne Scheinbarkeit behaupten) auch zwischen diesem und der auf den Bestand der](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0182.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


