Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
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Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
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![Seite ovöa ^tjv fehlen gänzlich wie bei Thukydides, in den drei Gerichtsreden des Antiphon und den drei zweifellos echten Reden des Andokides. Die Frequenz ist gemäß dem argumentativen Charakter der Schrift eine größere als selbst in der 5. Rede des Antiphon. Die Schrift De prisca medicina, die, wie bemerkt, in bezug auf juer« und mit den Attikern übereinstimmt, kennt ^i'jV über- haupt nicht, während die wohl sicherlich ältere De articulis, welche niemals iuerü und sehr oft ffw, ferner «jugofc mit dem Dativ, noii statt nqög, desgleichen xÜQia und di((Q verwendet, von iui]v ziemlich reichen Gebrauch macht, darunter auch einmal in der Verbindung aXka fA)]v, die den ältesten Phasen der attischen Prosa durchaus fremd ist. Das vergleichsweise häufige zweimalige Vorkommen von TovTo — TovTo Öe (in 12) erinnert an den Sprachgebrauch des Antiphon ebenso wie das starke Überwiegen von ovt^ über toLvvv (11 : 4) mit demselben übereinstimmt, vgl. Ernst Kalinka, De usu coniunctionum quarundam apud scriptores Atticos antiquissimos, Wien 1889, p. 48 f. ® Daß übrigens die älteren Formen in der 0-Deklination früher als in der A-Deklination zu weichen begannen, dafür bietet jetzt auch die große eleusinische Inschrift einen interessanten Beleg (C. I. A. IV B 27b). Vgl. auch Fritsch, Zum Vokalismus des herodotischen Dialekts, Hamburg 1888, S. 34, und J. G. Renner in Curtius’ Studien I 1, 212. 84 1 Wenn Fritsch a. a. 0., S. 35 nicht übel Lust zeigt, die bei Herodot aus- nahmslos überlieferte Artikelform Toiat durch TOig zu ersetzen, weil die gleich- zeitige halikarnassische, die sogenannte Lygdamis - Inschrift (Bechtels bir. 32) einmal diese Form aufweist, so ist es nicht leicht, einen derartigen Einfall in ernstem Tone zu besprechen. Wie nun, wenn diese Inschrift ein paar Zeilen mehr enthielte und dann auch einmal Totai darböte, etwa wie eine olynthische Inschrift aus dem Anfang des 4. Jahrhunderts (Bechtels Nr. 8) ullrjkotat neben afuq)oi6Qoig — letzteres vor einem Konsonanten — zeigt? (Nicht minder er- scheint xoiGi neben xolg C. I. A. I 1 B.) Sollten wir in solchem Falle etwa xoig und TOidL einmal um das andere in den herodoteischen Text setzen? Zum allermindesten hätte Fritsch seiner Folgerung den Vorbehalt beifügen sollen, welchen Bechtel S. 141 ausspricht: „Hätte Herodot halikarnassisch geschrieben, so dürfte sein Text . . . kein Toldi mehr aufweisen.“ In Wahrheit ist es völlig unzulässig, Texte, die aus Übergangsepochen stammen, in welchen ältere und jüngere Formen um die Herrschaft rangen, auf Grund inschriftlicher Zeugnisse, selbst wenn diese ungleich zahlreicher wären und weit unzweideutiger lauteten, von Anfang bis zu Ende umzuschreiben. Die Gewalt der falschen Analogie und jene der ungehörigen Reminiszenz ist eine große, aber doch keine all- mächtige. Und die Kunstprosa, wie sie von hervoiTagenden Stilisten vom Range eines Herodot oder auch unseres Autors geschaffen, festgehalten oder umgebildet wurde, kann zwar vielfach, aber muß sicherlich nicht in allen Einzelheiten mit der Sprache des täglichen Lebens übereinstimmen, v. Wila- mowitz’ gelegentlich geäußerte Vermutung, „daß auch das Ionische so gut wie das Äolische zuerst die Formen des Artikels verkürzt hat“ (Hom. Unters. 317, Anm. 26), spricht das aus, was von vornherein mit einiger Wahrscheinlichkeit zu erwarten stand. Allein solch eine allgemeine Präsumtion ist doch gewiß nicht stark genug, um vollgültige Zeugnisse aufzuwiegen. Wer hätte jemals aus Erwägungen von solcher Art die nunmehr urkundlich feststehende oben- erwähnte Tatsache erschließen können, daß die längeren Formen des Dativs der A-Stämme in lonien wie in Attika ,,viel später“ verschwunden sind als jene der 0-Stämme (Fritsch a. a. 0. 32—34 und Meisterhans, Gramm, der att. Inschr.^ 94f., 98f.)? Endlich, wenn der milesische Dialekt in Wahrheit zur](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0188.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


