Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
Licence: In copyright
Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
23/200 page 11
![werden wir gleichfalls ohne Vermessenheit voranssetzen dürfen. • • Uber diesen, man möchte sagen felsigen Untergrund aber rauscht ein Strom der Beredsamkeit hinweg, der bald in ruhiger Klarheit erglänzend, bald in stürmischer Hast und Fülle dahinbrausend (vgl. 7 und 11), den Hörer unaufhaltsam mit sich fortreißen mußte. Der Verein von Fornischönheit und logischer Strenge und der eigen- artige Wechsel von besonnenster Buhe und leidenschaftlicher Be- wegung, von äußerster polemischer Schärfe (dyvoei äyvoiav (/ofjLÖ- ^ovaav ixavh] piälXov y dfiadu] 8) und weltmännischer Gewandtheit (man vergleiche den Schlußahschnitt) mußte eine blendende und be- rauschende Wirkung üben. Fragen wir nunmehr nach den Kunstmitteln, welche diese Beredsamkeit in ihren Dienst stellt, so dürfen Avir vorerst an zweierlei negative Umstände erinnern, welche für die Zeitbestimmung der Schrift von erheblichem Belange sind. Sie zeigt keine Spur eines folgerichtigen Strebens nach Meidung des Hiats (vgl. Kommentar zu 1), und nicht minder fremd ist ihr die Scheu einer späteren Epoche, „in bekannte Versarten, den Hexameter z. B., zu ge- raten^^^ Vielmehr steht unser Autor in letzterem Betracht ganz und gar auf dem Standpunkt eines Heraklit, eines Herodot oder Protagoras.^ Genauer gesprochen, er meidet nicht nur nicht die Ehythmen der Poesie, er verwendet sie vielmehr, man darf Avohl sagen absichtlich (vgl. in 1 dlXd KaxayyeXirj, — hq ro rä rcov ni'kaq soyoCj — in 2 öcfOakyLoicnv Id'sTv) und erinnert hierin einigermaßen an Thrasymachos, der nach Cicero Orator 175 „nimis numerose''^ ge- schrieben hat, nicht minder als an die platonische Nachbildung der Sophistenheredsamkeit im Symposion — eine Nachahmung, an welche wir auch anderAveitig mehrfach gemahnt Averden. Sind dies ins- gesamt gemeinsame Züge der vorisokratischen Beredsamkeit, so gilt es jetzt auch die Unterschiede ins Auge zu fassen, welche innerhalb dieser frühesten Entwicklungsphase griechischer Eloquenz verschie- dene Gattungen und Bichtungen voneinander sondern. Die Kühn- lieit der Metaphern ist eine ungleich geringere als bei Gorgias und Avohl auch hei Antiphon.^ Die in AiiAvendung kommenden Bilder dienen zur Beleuchtung der Argumente und Avachsen aus diesen Avie ungesucht hervor. Sie sind niemals SelbstzAveck; die Stärke der Darstellung liegt vielmehr in der kraftvollen Geschlossenheit der BeAveisführung und in der von dieser erforderten Proprietät des Ausdrucks (xvoioke^ia) weit mehr als in dem allerdings nicht gänz- lich fehlenden schmückenden BeiAA^erk. An Antithesen ist selbst-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0023.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


