Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
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Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
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![ursachlos geschieht^ ist niclit identiscli mit dem anderen, daß keine Wirkung und somit auch keine Heilwirkung ohne eine äußere Ur- sache erfolge. Doch ist diese Irrung in dem Zusammenhang, dem sie angehört, von vergleichsweise geringem Belang. Denn dort, wo eine Gesundheitsstörung ohne jedes äußere Zutun durch das bloße Wirken der sog. Naturheilki’aft überwunden wird, ist doch zum mindesten die Fernhaitnng störender Einflüsse erforderlich; und unser Anonymus durfte insofern nicht mit Unrecht behaupten, daß keine Krankheitsheilung mit voller Sicherheit als eine völlig und ausschließlich spontan erfolgende angesprochen werden könne. Nur die kausale Verknüpfung der Sätze bleibt eine unrichtige, da die Leug- nung des avTÖfxoiTOv im Sinne der Ursachlosigkeit nicht auch die Verneinung der Spontaneität der Heilungen in sich schließt. Gleich- wie in dieser Glanzpartie unserer Schrift, so laufen auch in einer anderen die Fäden der Wmhrheit und des Irrtums gar seltsam durcheinander. Ich spreche vom § 5, wo unser Autor mit meister- haftem taktischem Geschick und zugleich mit tiefster Einsicht in die Natur der Sache das W^alten der Heilkunst über die Grenzen ihrer berufsmäßigen Pflege ausdehnt und auch jene Laien, welche zufällig und absichtslos auf diätetisch oder therapeutisch heilsame positive oder negative Maßnahmen verfallen (man beachte in letzterer Bücksicht die WVrte: Öri 7) d'ocovreg ri 7) firj So^vTsg), darunter «» auch solche, welche der Kunst der Arzte skeptisch gegenüherstehen (0/ /LLt] voiilCovT^g avT7]v elvai), als Zeugen für ihren Bestand anruft. Was er damit als tatsächlich vorhanden erweist, ist die Natur- hasis der Heilkunst, nicht diese selbst, wie sie von ihren fach- männischen Vertretern geübt wird; und hundertmal recht hat er ohne Zweifel, das Schwergewicht seiner Argumentation nicht auf diese, sondern auf jene zu legen. Allein der Begriff der irjTQix7] gerät dadurch in ein gar bedenkliches Schwanken; er schillert zwischen den beiden Bedeutungen in einer Weise, die gleichsam nach einem eindringlich prüfenden, die Begriffe sichtenden und die Schlüsse wägenden Sokrates zu rufen scheint. In anderen Fällen tut jedoch bei der Würdigung der in An- wendung gebrachten Beweisgründe große Vorsicht not. Einzel- argumente, die, so lange wir sie isoliert betrachten, den Eindruck des Trügerischen machen und zum mindesten bloße Möglichkeiten für Wirklichkeiten auszugeben scheinen, verlieren diesen Charakter, sobald wir andere Partien der Schrift zu ihrer Beleuchtung heran- ziehen. So jener Satz (11): „Denn wenn die Krankheit vom selben Gomperz, Apologie. 2. Aufl. 2](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0029.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


