Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz.
- Hippocrates
- Date:
- 1910
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Credit: Die Apologie der Heilkunst : eine griechische Sophistenrede des fünften vorchristlichen Jahrhunderts / bearb., übers., erläutert und eingeleitet von Theodor Gomperz. Source: Wellcome Collection.
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![offenbart, und in einigen Fällen wenigstens läßt sich sogar der Nachweis erbringen, daß ein Bestandteil der Sammlung in direkter polemischer Absicht gegen einen anderen gerichtet istA Wie sollte * • es uns da befremden, daß auch die meisterliche, allen Asknlapjüngern gleich werte und willkommene Verteidigung ihrer Kunst darin ein Plätzchen gefunden hat, nicht minder als das gleichfalls rhetorisch gefärbte „Gesetz“^ oder die Formel des von den Ärzten beim An- tritt ihres Berufs zu leistenden Eidschwurs? Nur unter einer Vor- aussetzung wäre dies nicht zu erwarten gewesen, — falls nämlich die Geisteserzeugnisse unseres Sophisten als solche sorgfältig ge- sammelt und getreulich behütet worden wären. Nichts spricht je- doch für eine solche Vermutung, alles für ihr Gegenteil. Protagoras hat so wenig als etwa Gorgias oder Prodikos eine Schule gegründet. Keine Schar treuer Jünger wachte eifersüchtig über sein Andenken, keine Schulbibliothek umschloß seine Schriften, kein Grammatiker widmete der Ordnung und Eeinigung seiner Bücher den Treufleiß und Scharfsinn gelehrter Arbeit. Die spärlichen Anführungen und der Mangel an eingehenden Beurteilungen auch von Seiten der Kunstrichter beweist, daß der Ruhm des zu seiner Zeit hochgefeierten Mannes ein gar kurzlebiger war. Auch dem Sophisten flicht die Nachwelt keine Kränze. Laertius Diogenes übermittelt uns freilich ein Verzeichnis seiner Schriften, aber nicht der sämtlichen, sondern nur der „erhaltenen“ [rä acp^ö^sva IX, 55), d. h. derjenigen, welche die Gewährsmänner dieses Skribenten gekannt und gelesen hatten; und wie sorglos auch diese Liste angefertigt ist, zeigt der Umstand, daß selbst die uns unter drei verschiedenen Namen bekannte und noch dem Porphyrios zugängliche metaphysische Hauptschritt des Sophisten darin fehlt. ^ Ebensowenig kennt das Verzeichnis die auf die Künste bezüglichen Schriften, welche dem Platon Vorlagen [ra JJocoTccyÖQeta neoi ts ndXriq, Kal tcüv äXXcov rexvojv, Sophist. 233 mit alleiniger Ausnahme jener, welche die Ringkunst behandelte. An ihnen, oder doch an dem Bestandteil derselben, der uns hier beschäftigt, scheint sich ein Wort, welches eben Platon auf sie anwendet, in gar seltsamer Weise erfüllt zu haben. Er nennt sie ein „Gemeingut des Lesepublikums“ [Sedi]fjiO(Tio)piha tiov KuraßkßXrjTai). Das zugleich vielverbreitete und schlecht behütete Buch, das einst in aller Händen war und dessen Autorschaft bald niemand kümmerte, ist im eigentlichen Sinne publici iuris oder herrenlos geworden! Diejenigen, für welche sein Inhalt ein mächtiges Interesse zu besitzen fortfuhr, mochten es allein be-](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b28982915_0042.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


