Neuer Beitrag zur Aetiologie und Casuistik der Spondyl-olisthesis / von Franz Ludwig Neugebauer.
- Neugebauer, Franz Ludwig von, 1856-1914.
- Date:
- 1885
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Credit: Neuer Beitrag zur Aetiologie und Casuistik der Spondyl-olisthesis / von Franz Ludwig Neugebauer. Source: Wellcome Collection.
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![verschiedenen Heftigkeit der Gewalt, welche die Absprenguug und Dislocation zur Folge gehabt hat. Ich habe mit grösster Sorgfalt vier Jahre lang in den Sammlungen nach solchen primären frac- turären Absprengungen der Promontorialkante desSacrum gefahndet und muss mit Bestimmtheit erklären, dass an den vor- handenen Präparaten weder je eine solche Abspren- gung zur Spondyl-olisthesis geführt hat, noch je an einem spondyl-olisthetisch en Becken eine primäre Ab'sprengung der promontorialen Sacralkante consta- tirt worden ist. Ich komme später noch einmal auf diesen höchst wichtigen Punkt zurück. Ich will durchaus nicht behaupten, dass bei der Spondyl- olisthesis nicht auch eine reelle absolute Verschiebung, echte Dislocation durch Aussercontacttreten der beiden Wirbelkörper stattfinde, sondern nur sagen, dass im Wesentlichen der Haupt- sache nach die Verschiebung virtuell ist, d. h. vorgetäuscht durch jene charakteristische Formveränderung der beiden Wirbelkörper, und zwar, um so die Spondyl-olisthesis als Deformation gegenüber zu stellen den momentan entstehenden fracturären Dislocationen im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Ist die traumatische Kyphose oder Luxation der Wirbelsäule eine durch Trauma-Dislocation erworbene Difformität, so ist die Spondyl-olisthesis in einer Deformation begründet. Die traumatische Kyphose ist eine Difformität durch Dis- location. Die spondyl-olisthetische Kyphose ist, so zu sagen, eine Difformität durch Deformation. Die Spondyl-olisthesis ist eine statische Anomalie, begründet in dem Zusammenwirken eines activen Factors: der Rumpf last und eines passiven Factors: der anatomischen Prädisposition [a) congenitale Spondylolysis interarticularis und Varianten, b) die hypothetische primäre Fractur an gleicher Stelle, c) primäre Fractur der sacralen Gelenkfortsätze1)]. Recht gut ist der Beginn der charakteristischen Formver- 1) Uebrigens ist auch hier eine Spondylolysis zwei Mal von Sandifort beobachtet worden, ob sie aber zu einer Olisthesis geführt hat, ist nicht be- kannt. Theoretisch liegt ja die Möglichkeit vor. (Observationes anat. patho- logicae. Lugdun. Batav. 1777. Lib. III, Cap. X, p. 135.)](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b22443319_0028.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


