Die Pathologie und Therapie der Lageveränderungen der Gebärmutter.
- Bernhard Sigmund Schultze
- Date:
- 1881
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Credit: Die Pathologie und Therapie der Lageveränderungen der Gebärmutter. Source: Wellcome Collection.
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![§. 96. Anteflexion. Anatomie und Aetiologie. Die Anlässe, welche die Flexion des Uterus stabil machen, sind entweder in ihm selbst gelegen oder wirken von aussen auf ihn ein. Die ersteren beschränken die normale Flexibilität oder heben sie auf, machen winkelsteife Flexion. Wenn Metritis, die ja sonst den Uterus in Streckstellung steif macht, den in Anteflexion fixirten Uterus befällt, ereignet es sich, dass die bis dahin flexible Knickung starr wird. Ferner führen partielle Schrumpfungen der einen oder Volumsvermehrung der anderen Wand zu einer Krümmung oder Knickung des Organs über die kürzere Fläche. Der nicht ganz seltene Schwund des Gewebes im Winkel der normalen Knickungsstelle ist häu- figer secundär, Folge langbestandener hochgradiger Knickung; aber die sehr seltenen Knickungen im Bereich des Corpus oder des Cervix uteri können ihrer Beschaffenheit nach wohl nur auf einer partiellen Schrum- pfung der betroffenen Stelle der Uteruswand beruhen. Anatomische Unter- suchung solcher Fälle ist mir nicht bekannt. Starre Anteflexion durch vermehrtes Volum der hinteren Wand in Folge mangelhafter Rückbildung der daselbst gelegenen Placentarstelle beobachtete E. Martin. In gleicher Weise .können Tumoren der hinteren Wand (Myome, breit aufsitzende Adenome) starre Anteflexion machen. Es sei bei der Gelegenheit erwähnt, dass die alte Balanciertheorie, nach der Tumoren der hinteren Wand das Corpus uteri nach hinten, Tumoren der vorderen Wand dasselbe nach vorn ziehen sollten, in neuester Zeit wieder von Marion Sims und Beigel1) mit besonderem Nachdruck vertreten, jetzt wohl durch unsere bessere Kenntniss von den Bedingungen der normalen und anomalen Lage des Uterus als beseitigt angesehen wer- den darf. Sehr viel öfter sind es ausserhalb des Uterus gelegene Ursachen, weiche denselben nöthigen, in stabiler Anteflexion zu liegen. Ovarial- tumoren, die den übrigens ganz normalen, auch normal flexiblen Uterus von oben belasten, hindern ihn, auch bei starker Füllung der Blase seinen Kniekungswinkel zu vergrössern. Vordere peritonäale Adhäsion oder Schrumpfung der Ligamenta rotunda kann ebenfalls das Corpus uteri hin- dern, bei Füllung der Blase seine normale Excursion nach rückwärts zu machen. §. 97. Die bei weitem häufigste Ursache der pathologischen Ante- flexion ist die Parametritis posterior und die durch sie zu Stande kommende Verkürzung der Douglas'schen Falten. Schon Sommer (Diss. Giessen 1850, Präs. J. Vogel) betont die Bedeutung schrumpfender perimetri- tischer (unter dem peritonäalen Ueberzuge befindlicher, also nach heutiger Nomenclatur parame tri tischer) Exsudate für Entstehung der [nfractionen und Flexionen der Gebärmutter. Er führt Velpeau als Vertreter der Ansicht an, dass Fixation des Cervix uteri denselben hindert, an den- jenigen Bewegungen, die sonsl der ganze Uterus hei wechselnder Bauch- presse macht, sich zu betheiligen und dadurch nothwendig zur Knickung der Gebärmutter führt. Die anatomische Thatsache, dass hei pathologi- scher Anteflexion der Cervix uteri immer etwas hoher in der Beckenhöhle steht und mit entsprechender Verlängerung der Vagina mehr nach hinten rückt, hebt Klub (Pathologische Anatomie der weiblichen Sexualorgane, l) Marion Sims, Gebärmutterchirurgie, Deutseta von Beige] ••. Auil. L873. S. 19111. Figg. 95, 96, 97.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21004572_0129.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


