Die Pathologie und Therapie der Lageveränderungen der Gebärmutter.
- Bernhard Sigmund Schultze
- Date:
- 1881
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Credit: Die Pathologie und Therapie der Lageveränderungen der Gebärmutter. Source: Wellcome Collection.
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![in unserer Macht steht, hergestellt werden. Zwar kann das Eintreten einer Schwangerschaft durch Incarceration des Uterus oder durch Zerrung der alten Adhäsionen Gefahren bringen und darauf sind natürlich die Patien- tinnen aufmerksam zu machen; durch zweckmässiges Verhalten in der Schwangerschaft und durch entsprechende Therapie ist diesen Gefahren aber mit ziemlicher Sicherheit zu begegnen. Gerade die langsame Deh- nung der alten Exsudate und Narben in Verbindung mit der normal durch die Schwangerschaft bedingten Fluxion führt nicht selten zu definitiver Heilung, vorausgesetzt, dass auch im Wochenbett und in der zunächst auf dasselbe folgenden Zeit sachverständige Ueberwachung und Behandlung ein- tritt. Vgl. §. 158. Ferner soll man, sofern floride entzündliche Processe fehlen oder zuvor beseitigt worden sind, nicht darauf verzichten, selbst alte parame- trische Narben und alte peritonitische Verlöthungen zu erweichen, resp. der Resorption und den Uterus späterer Reposition zugänglich zu machen. Application von Wärme erweist sich meinen Erfahrungeu nach in dieser Richtung am nützlichsten: warme Injectionen in Rectum und Vagina, warme Umschläge, Moorbäder, so warm sie ohne nachtheilige Neben- wirkung ertragen werden, Sandbäder bis 45° R., namentlich die letzteren, kann ich auf Grund vortheilhafter Erfahrungen rühmen. Nach längerem consequenten Gebrauch der genannten Mittel ist dann in Narkose zu prüfen, ob die Widerstände zu weichen beginnen. Mit grosser Geduld und Consequenz von Seiten der Patientin und des Arztes sind, auf Grund genauer Diagnose und scharf gestellter Indication, selbst in irreparabel scheinenden Fällen erfreuliche Resultate zu gewinnen. §. 165. Nur in historischer Rücksicht ist zu erwähnen, dass ähnlich wie bei Anteversion, so auch bei Retroversion und Retroflexion der Vor- schlag und der Versuch gemacht worden ist, durch Wundmachung und An- heilung der hinteren Muttermundslippe an die hintere Vaginalwand den Uterus aus der retrovertirten Lage zu befreien. Wenn für die Behandlung der Anteversion der entsprechende Vorschlag für gewisse Fälle principiell ganz richtig erschien, so muss gegenüber der Retroversion der Gedanke als vollständig aussichtslos bezeichnet werden. Beachtenswerth ist der bisher theoretisch gebliebene, wenn ich nicht irre von Aran herrührende Vorschlag, durch Verkürzung der Ligamenta rotunda vom vorderen Leistenringe aus, den Uterus zu verhindern, mit dem Fundus wieder in die Kreuzbeinhölung zurückzufallen. In neuester Zeit ist der Gedanke ausgesprochen worden [P. Müller1)] zur Hebung hartnäckiger Retroflexion die Laparotomie zu machen und den Uterus oder dessen Stumpf an die vordere Bauchwand anzuheilen. Wenn die Laparotomie anderweit indicirt ist, z. B. zur Entfernung einer oder beider Ovarien, ist der Gedanke sicher beachtenswerth, dass man die Ge- legenheit benutze, den Uterus durch Anheilen an die vordere Bauchwand definitiv vor Recidiven alter Retroflexion zu sichern (Koeberle). Man sollte vielleicht in Fällen gleichzeitig bestehender Retroflexion des Uterus neben Ovarientumor zur extraperitonäalen Behandlung des Tumorstumpfes zurückkehren. Der Gedanke, um der Retroflexion willen die Laparotomie zu machen, könnte meines Erachtens nur für jene Fälle fester Verlöthung des *) P. Müller, Ueber Exstirpation des Uterus. Correspondenzblatt Schweizer Aerzte. Jahrg. VIII. 1878.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21004572_0196.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


