Die Pathologie und Therapie der Lageveränderungen der Gebärmutter.
- Bernhard Sigmund Schultze
- Date:
- 1881
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Credit: Die Pathologie und Therapie der Lageveränderungen der Gebärmutter. Source: Wellcome Collection.
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![verbundene Behinderung des Rückflusses des venösen Blutes machen sich sowohl am Uterus als auch an den Ovarien und Tuben sowie an der in- vertirten Vagina die Erscheinungen der passiven Hyperämie und Stauung durch bläulichrothe Färbung und durch oft ganz bedeutende varicöse Aus- dehnung der Venen bemerklich. §. 168. Aetiologie. Es muss zunächst die acute und subacute Entstehung des Prolaps von der unendlich viel häufigeren chronischen unterschieden werden. Jäher Sturz aus bedeutender Höhe, enorme Anstrengung der Bauch- presse, wie Heben schwerer Lasten, anhaltendes Erbrechen etc., sind als Veranlassung zur plötzlichen oder doch in kurzer Zeit ablaufenden Ent- stehung des Prolaps beobachtet worden. Disposition zu solcher Entstehung geben Schlaffheit der Vagina und der peritonäalen und ligamentösen Be- festigungen des Uterus,,wie sie im und nach dem Wochenbett normal besteht, ferner massige Retroversion des Uterus, die entweder bereits dauernd oder die durch starke Füllung der Blase vorübergehend bestand, Schlaffheit oder Defecte des Beckenbodens, z. B. durch Dammriss. Auch ohne den Nachweis solcher begünstigenden Momente, selbst an jung- fräulichen Individuen, ist ganz selten auf die genannten Veranlassungen Prolaps acut entstanden. Füllung der Blase ist als vorausbestehende Bedingung auch für solche Fälle wohl nothwendig anzunehmen, denn aus der bei leerer Blase normalen Lage würde wohl durch die heftigste Er- schütterung der Uterus zum Vorfall nicht gebracht werden. Mannigfaltige]' sind die Bedingungen zur chronischen Entstehung des Prolaps, verschieden ohne Zweifel in verschiedenen Fällen, und auch für Entwicklung ein und desselben Vorfalls treten in aufeinanderfolgenden Phasen verschiedene ursächliche Momente in Kraft. §. 169. Verlängerung der Portio vaginalis kann an sich Prolaps machen. Der Uteruskörper und das Scheidengewölbe brauchen bei so be- dingtem Prolaps ihre Stelle im Becken nicht zu verlassen. Der Abstand des Orificium uteri vom Scheidengewölbe wird dann ein enormer und Dis- location der Blase sowohl wie des Douglas'schen Raumes können voll- ständig fehlen. Die nothwendig in der Axe der Vagina liegende verlängerte Vaginalportion wird freilich den ganzen Uterus nöthigen, in der Axe der Vagina zu stehen, und diese Stellung setzt ihn nothwendig der Wirkung der Bauchpresse in der Weise aus, dass er leichter als der normal ge- legene mit gleichzeitiger Inversion der Vagina abwärts rücken wird. Die Abbildung eines Falles, die Graily Hewitt giebt, veranschau- licht dieses Verhalten gut. Ich gebe genau die Umrisse der Graily He- witt'schen Figur wieder, ohne alle Einzelheiten derselben vertreten zu können. Die Peritonäalbekleidung des Uterus reicht weder vorn noch hinten weit genug abwärts. §. 170. Torfall durch isolirte Verlängerung des supravaginalen Cervix giebt ein vollständig anderes Bild. Der Abstand des Orificium uteri externum von der Insertion der Vagina am Uterus ist nicht vermehrt. Der durch seine Hypertrophie nach abwärts rückende Cervix invertirt die Vagina gerade so, wie wenn der ganze Uterus abwärts tritt. Mit dem Herabtreten des supravaginalen Cervix tritt natürlich auch die ihm ange- heftete Blase und der ihm angeheftete Peritonäalüberzug des Douglas'schen Raumes nach unten.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21004572_0202.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


