Die Krankheiten des Ohres : ihre Erkenntniss und Behandlung ; ein Lehrbuch der Ohrenheilkunde in Form akademischer Vorträge / von Dr. von Tröltsch.
- Anton von Troeltsch
- Date:
- 1862
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Credit: Die Krankheiten des Ohres : ihre Erkenntniss und Behandlung ; ein Lehrbuch der Ohrenheilkunde in Form akademischer Vorträge / von Dr. von Tröltsch. Source: Wellcome Collection.
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![beschriebenen Binnentöne zum grossen Theile nichts als Gefässge- räusche arteriellen Ursprunges, sei es dass sie in der Carotis interna selbst entstehen , welche ja in mehrfacher Windung das Schläfenbein durchzieht, oder in den kleineren Arterien im und am Felsenbeine. Vorübergehende, sehr ausgesprochene arterielle Geräusche im Ohre kann man nach bestimmten raschen Drehbewegungen des Kopfes, insbe- sondere beim Liegen z. B. im Bette, willkührlich erzeugen. Einen Fall von pulsirenden, mit dem Herzschlag isochronischen Ohrengeräuschen, welche durch Auscultation auch für Andere wahrnehmbar wurden und durch Compression des Ramus mastoideus der Art. auricularis posterior augenblicklich zum Aufhören gebracht werden konnten, berichtetBayei:*) Eine eigentliche aneurysniatisehe Erweiterung des Gefässes liess sich nicht nachweisen, ebensowenig ein Klappenfehler des Herzens oder ein krankhafter Ton in der Aorta und den Carotiden, so dass diese Geräusche ihre Quelle in besonderen Eigenthümlichkeiten der Aeste der hinteren Ohrarterie oder in einer Veränderung der Theile zu ha- ben schienen, über welche sie hinweggehen oder in welche sie sich vertheilen. Bayer muntert bei dieser Gelegenheit auf, bei Ohrensausen immer zu auscultiren, damit man unterscheiden könne, ob die krank- haften Geräusche blos dem Patienten zum Bewusstsein kommen, oder ob sie auch vom Arzte wahrzunehmen sind. — Wie bei vielen Xagern, Insektivoren und Fledermäusen die Carotis interna durch die Schenkel des Steigbügels hindurchgeht, so verläuft nach Hyrtl **) beim Menschen constant ein capillares Arterienästchen zwischen den Steigbügelschen- keln hindurch zum Promontorium und ausnahmsweise setzt eine grössere Arterie durch den Steigbügel hindurch. In letzterem Falle scheint es mir kaum fraglich , dass durch die dem Steigbügel mitgetheilten Er- schütterungen pulsirende Binnengeräusche im Ohre entstehen, an welche man sich allerdings vielleicht ebenso gewöhnen kann, wie der Müller an das Klappern seiner Mühle , so dass sie nicht mehr auffallen und nur unter besonderen Verhältnissen noch zum Bewusstsein kommen. Zu den auf das Felsenbein und den Hörnerven übertragenen Gefäss- geräuschen mag wohl auch manches blasende und zischende Ohrensau- sen bei Chlorotischen und Anämischen gehören und erinnere ich Sie nur daran, dass ziemlich häufig die Vena jugularis interna und zwar mit einer constanten Ausweitung, ihrem Bulbus, dicht unter dem Boden der Paukenhöhle liegt. *_) Comptes rendus des Seances und Memoires de ]a Societe de Biologie. Armee 1854. p. 169. **) „Yergleichend-anatom. Untersuchungen über das innere Gehörorgan des Men- schen und der Säugethiere. Prag 1854. (S. 40.;](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21081591_0274.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)