Die Krankheiten des Ohres : ihre Erkenntniss und Behandlung ; ein Lehrbuch der Ohrenheilkunde in Form akademischer Vorträge / von Dr. von Tröltsch.
- Anton von Troeltsch
- Date:
- 1862
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Credit: Die Krankheiten des Ohres : ihre Erkenntniss und Behandlung ; ein Lehrbuch der Ohrenheilkunde in Form akademischer Vorträge / von Dr. von Tröltsch. Source: Wellcome Collection.
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![Fenster zu stehen kommt. Erwachsene untersucht man am bequemsten im Stehen, bei Kindern kann man sich setzen oder man stellt den kleinen Patienten auf den Stuhl, um wieder in ziemlich gleiche Höhe mit ihm zu kommen. Da das Ohr in der Mitte des Kopfes liegt, thut man gut, den- selben etwas neigen oder zur]Seite wenden zu lassen, damit ein mög- lichst kleiner Theil des Spiegels von demselben beschattet wird und lernt man sehr bald, dem Kopfe des Kranken, wie dem Spiegel eine solche Stellung zu geben, dass die Untersuchung bequem, die Beleuch- tung eine möglichst gute, und die geeignetste Stelle des Horizontes als Lichtquelle benützt wird. Gibt man dem Instrumente leichte Wen- dungen nach verschiedenen Seiten, so findet man bald die relativ beste Beleuchtung der tieferen Theile heraus. Weisse oder leicht graue Wolken geben hier, wie beim Mikroskopiren, das beste Licht. Sonnenlicht direct in's Ohr geworfen, blendet zu sehr und erregt meist sogleich ein deutliches Hitzegefühl auf dem Trommelfell. Be- findet man sich daher zufällig der Sonne gegenüber, so wende man sich etwas seitwärts und benütze die benachbarte hellbeleuchtete Wand als Lichtquelle. Die Erfahrung lehrt, dass diese Beleuchtungsart allen zu stellenden Anforderungen vollständig entspricht und sind ihre Vortheile gegen- über den bisher üblichen Methoden sehr gross. Die Farbe der Theile wird nicht verändert, wie bei künstlichem Lichte, sondern scharf und wahr wieder gegeben. Die nöthige Vorrichtung, ein Hohlspiegel, ist einfach, nicht kostspielig*) und leicht transportabel. Der wesentlichste Vortheil aber ist der, dass wir auf diese Weise bei jedem Wetter, auch bei trübem Himmel untersuchen können und stets deutlich und genau sehen; sie lässt sich auch auf den Kranken im Bette, (im Noth- falle unter Beihülfe einer Kerze) und überhaupt nicht blos am Fenster anwenden, wenn dieses nur nicht zu weit entfernt oder doch eine beleuchtete Wand in der Nähe ist. Weiter ist das Untersuchen des Ohres auf diese Art sehr leicht und bequem, und da man sich nicht Schatten machen und doch ganz nahe an das Object herankom- men kann, so sieht man auf das Deutlichste auch die kleinsten und feinsten Verschiedenheiten in Form und Farbe, welche selbst das schärfste Auge bei nur einiger Entfernung nicht mehr unterscheiden könnte. Ebenso ist das Erlernen dieser Untersuchungsweise keines- *) Ein solcher, silberbelegter Spiegel mit metallener Fassung und abschraub- barem Griffe kostet hier zwei Gulden. v. TrÖltsch, Ohrenkiankheiten. 2](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21081591_0033.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)