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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![Wiederherstellung derselben, wechselnd je nach den Bedürfnissen jedes Einzelnen, nach Alter, Geschlecht, Constitution, Nationalität u. s. f. Während so die Hygieine die Wirkungsweise jener Factoren und Einflüsse kennen lehrt, deren Bedeutung für den Einzelnen wie für ganze Bevölkerungen und deren Wohlbefinden, zeigt sie zugleich den Gebrauch, welchen sie davon zu machen, wie das Zweckmässige herzu- stellen und zu benüzen, das Schädliche zu meiden haben, damit sie gesund bleiben nach Kör])er und Geist oder es wieder werden. Hygieine wäre somit am Ende nur die Anwendung all unseres Wissens und besonders der Naturwissenschaften auf ein besseres Verständniss der Be- dingungen unserer Gesundheit, unseres Lebens wie auf Erhaltung und Förde- rung dieser lezteren. Sie entlehnt so z. B. aus Physik , Chemie, Physiologie, Anthropologie wie aus Bevölkerungs- und Lebensstatistik, sogar aus Staats- wdssenschaft u. a., was gerade für jenen ihren Zweck von Bedeutung ist. Auch besteht eine ihrer Hauptaufgaben als Wissenschaft darin, die Geseze darzulegen, welchen der Einzelne wie ganze Bevölkerungen mit ihrer Gesundheit, ihrem Leben unterworfen sind, und darzuthun, dass hiebei weder Zufall noch Fatum sondern einzig und allein der Umstand entscheidet, ob jene Geseze befolgt wer- den oder nicht. Aus der Kenntniss dieser Geseze und der Eigenschaften, der Wirkungsweise aller auf uns wirkenden Factoren ergeben sich dann von selbst die Mittel zur Förderung des uns Nüzlichen und zur Abwehr des uns Schädlichen. Zumal der öffentlichen Hygieine ist es aber nicht sowohl um die Gesundheit Einzelner zu thun als vielmehr um diejenige ganzer Volksclassen und Völker, somit auch um möglichste Herstellung solcher öffentlicher Verhältnisse und Ein- richtungen, wodurch deren Gesundheit am ehesten gefördert und garantirt wird. Sie verhält sich insofern zur privaten Gesundheitspflege wie etwa eine durch- greifende Vorsorge gegen Wasser- und Feuergefahr für ganze Städte oder Pro- vinzen zum Schuz einzelner Häuser oder Grundbesize gegen solche. Vermöge dieser ihrer Aufgaben erhebt sich aber die Hygieine zu einem der nüzlichsten und umfassendsten Fächer unseres Wissens; ja kein anderes ist so reich an den bedeutungsvollsten und interessantesten Aufschlüssen für Jeden. Kann doch Gesundheit als eine der ersten Bedingungen unseres Glückes, als das wichtigste irdische Gut gelten, Krankheit dagegen von Allein, was das Leben ver- bittert und stört, als das Schlimmste, und nicht minder hängt das Gedeihen, ja die ganze Existenz jedes Volkes, jeder Gesellschaft sehr wesentlich vom leiblichen wie geistig-sittlichen Wohlbefinden aller einzelnen Glieder ab. Ja durch die Kunst, Menschen und Völker gesund zu erhalten, leistet die Hygieine nahezu ebensoviel als die Natur, die sie schuf. Auch hängen wir schon vermöge jenes Instinctes, welchen der Mensch mit allen Thieren theilt, fest am Leben, und mögen Stoiker, Lebensüberdrüssige sagen was sie wollen , immer wird eine ge- sunde Fortexistenz fast Jedem als das kostbarste Gut erscheinen, ohne welches auch alles Andere nur wenig oder keinen Werth hat. Ueberdies sind all die Verluste, all das Unglück durch Krankheit und frühen Tod, so traurig sie auch sein mögen, keineswegs das grösste Uebel, so wenig als Schlachten, Kriege an und für sich. Noch ungleich schlimmer ist vielmehr das steigende Verkommen, die allmälige Entartung ganzer Völker und Ea^;en, der enorme Verlust an Men- schen und Capital, wie sie mit jeder excessiven Morbilität und Sterblichkeit auf lange Zeit hinaus gegeben sind.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0016.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


