Licence: Public Domain Mark
Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
74/960 page 60
![Buscliwerk, Haare, Kleidungsstücke u. s. f., wie sich denn überhaupt l)ei Gewittern Lichtphänomene auf den verschiedensten über den Boden erhabenen Körpern offenbaren können, zumal aut metallenen, selbst auf tallendem Hagel, Schnee, Regen, auf Wasserflächen h Hat jedoch die electrische Spannung zwischen Atmosphäre, Wol- ken und Erdoberfläche einen höheren Grad erreicht, oder legt sich eine Schichte relativ trockener Luft zwischen zwei Wolken mit ent- gegeiigesezter E., so stellt sich gewöhnlich das Gleichgewicht durch heftige Entladungen her, welche die Phänomene des Blizes, d. h. grosser electrischer Funken und des Donners bewirken. Weil aber Luft und Wolken schlechte E.leiter sind, geschieht jene Ausgleichung meist nur durch mehrfach wiederholte Explosionen vollständig. i Bei Gewittern zeigt zwar das Electrometer öfters eine starke electrische Spannring oder Ladung, oft aber nicht, weshalb sich Gewitter nicht gerade von siner solchen ableiten lassen; auch entsteht eine lebhaftere, merklichere Strö- mung der E. von der Erde in die Atmos]Dhäre und umgekehrt nur dann, wenn sich Gewitterwolken in unmittelbarer Nähe befinden. Was vielmehr die Ent- stehung von Gewittern hauptsächlich bedingt sind rasche Temperaturwechsel, z. B. nach Eindringen kalter horizontaler oder von oben herabsteigender Luft- ströme in warme, feuchte Luftschichten. Das Sinken des Barometer zeigt aber, dass die Luft in den oberen Regionen abfliesst und hier Südwind herrscht. Luft \ und Wasserdampf unten steigen so nach oben, besonders wenn der Boden zu- ' gleich erwärmt ist, oben aber verdichtet sich ein Theil des Wasserdampfes, und ^ dadurch entwickelt sich E. Diese wäre demnach die Wirkung, nicht die Ur- sache der Gewitter und aller Phänomene dabei, d. h. durch das rasche Ver- dichten des Wasserdampfes entwickelt sich so viel freie E., dass bedeutende Ex- plosionen, Blize u. s. f. entstehen können (Kämtz, Brandes u. A.)^ Bei jedem ^ Am häufigsten geschieht dies auf hohen Bergen, Avenn z. B. Menschen, Thiere hier zufällig in GowitterAVolken kommen, deren E. sich durch dieselben entladet, ge- wöhnlich (doch keineswegs immer) ganz schadlos, so gut als das sog. Elmsfeuer, d. h. das von den höchsten Theilen der Bemastung eines Schiffs in Form beweglicher tanzen- der Flammen ausströmendo electrische Licht. Dem lezteren ähnlich ist jenes Wetter- leuchten, wie dasselbe auch bei klarem Himmel entstehen kann, besonders an heissen Sommerabenden, wenn z. B. kältere Luftmassen rasch von oben herabsinken und jezt ihre E. in Berührung mit den tieferen, feuchten Luftschichten an d)ese abgeben. Jeden- falls ist das Wetterleuchten nur selten der blosse Widerschein von Blizen oder Explosionen bei Glewittern, Avelche sich unterhalb des Horizontes somit unsichtbar entluden , gewöhn- lich vielmehr ein Lichtphänome bedingt durch Ausströmen starker E. ohne jeden elec- trischen Gegensaz benachbarter Wolken u. s. f. '■* Nach Maury würden sogar die meisten GeAvilter durch ein Zusammentreffen des obern kalten und untern Avarmen PassatAvindes bedingt, deren lezterer vom Aequator gegen die Pole fliesst, der erstere umgekehrt. Zumal in der Region der Calmen, avo die Sonne Mittags senkrecht auf die Erde brennt, mischen sich beide, d. h. der untere dehnt sich durch die Wärme aus, steigt auf, hemmt Avie ein Borg den obern kalten in seinem Lauf, Wirbel entstehen, die oberen kalten Luftmassen stürzen herab, 'Wolken bilden sich und Gewitter, d. h. die Wärme, Avelche den Wasserdampf bei seiner Verdichtung ver- lässt, sezt sich in E. um, Blize entstehen u. s. f. Was aber dort täglich geschieht, kann auch bei uns geschehen durch ähnliche Ursachen, nur nicht so regelmässig und heftig. Vgl. u. A. Fuchs, populäre naturAviss. Vorträge 58; Arago, sämtl. Werke 54; Bou- din, Annal. d’Hyg. II. Serie t. 2—4.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0074.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


