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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![und /nfriedeiiheit und liieiiiit zugleich seine Gesundheit am ehesten wahren. Auch im Interesse dieser lezteren stellt sich deshalb die Auf- gabe, den Sinn fürs Sittlichg’ute, für Recht und Pflicht schon von Ju- gend auf zu entwickeln ; und dienen doch gute Gruudsäze, reges Pflicht- gefühl Jedem als die sichersten Führer bei seinem Thun und Lassen. Jeder hat einmal seine Leidenschaften und Fehler so gut als seine btinnnungen und Launen; ja der Mensch neigt sich dem Bosen min- destens ebenso zu wie dem Guten, und zeigen doch schon Kinder Selbstsucht, Eigensinn, Genuss-, Eifersucht, Neid, Bosheit u. drgl. geuug. Zugleich ist der Mensch als Glied der Gesellschaft den man- nigfachsten Eindrücken, guten wie schlimmen ausgesezt, gar manchen Lockungen und Gefahren. Damit er aber das Fehlerhafte und Schäd- liche von all diesen Seiten her eher meiden lerne, hat Jeder bei Zeit sich selbst in seinen Strebungen oder Gelüsten zu überwachen und zu beherrschen, deren Gutes wie Schlechtes zu erkennen und sie ge- hörig zu leiten, d. h. im Einklang mit den Gesezen und Forderungen der Sittlichkeit zu erhalten. Das beste, ja einzige Mittel hiezu sind aber gute Angewöhnungen und Gruudsäze von Jugend auf. Weil sich überdies Keiner vor Unglück, Enttäuschung und Schmerzen jeder Art bewahren kann, aufregende wie deprimirende Aftecte aber die Gesundheit am meisten gefährden, müsste zugleich Jeder sich selbst und die Welt 'um ihn klar genug auffassen, auch in seinem eigenen Wollen wie in sog. Glücksgütern das Gute uud Nüzliche, das Wesentliche und Zufällige frühe genug unterscheiden lernen. Man gewöhne sich überhaupt bei Zeit au Selbstdisciplin und eine gewisse philosophische Ruhe, lerne die Welt weder über- noch nnterschäzen, die Menschen zwar nicht als Feinde aber als etwas zweifelhafte Freunde ansehen, nicht als durchaus schlecht, doch noch weniger als unbedingt gut, und denke immerdar mehr an’s Angenehme, Heitere, Gute als an’s Andere. Kurz mau lerne sich wie die wirk- lichen Verhältnisse um sich herum verstehen und sich mässigen, lerne sich auch freiwillig etwas versagen uud aufladen, ohne doch seiner sittlichen Freiheit etwas zu vergeben, und bedenke, dass die höchste Aufgabe nicht in Genuss und Behagen sondern in strenger Pflicht- erfüllung besteht. Dies ist wohl der einzige AVeg, um den innern Frieden jnit sich und der Welt, wie er einmal zu unserem Glück, selbst zur Erhaltung der Gesundheit unentbehrlich scheint, zu sichern und unsere Gemüthsruhe troz Allem was uns treffen mag zu bewah- i’eii b Ebenso gewiss ist aber eine sittliche Kraft und Resistenz dieser * Leidenschaften wie Gewissensbisse schaden auch dem Guten, und Ruhe der Seele, •les Gemüths war noch immer das Ziel eines Weisen. Aus Obigem begreifen wir zugleich, Oesterlen, Hygieine. 3. Aufl. 5]^](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0815.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


