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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![Art vielfach g’el)iiiideii an eine gesunde Kräftigkeit des Körpers wie (leistes. Auch bedarf es, um all jene Fähigkeiten und Eigenschaften recht zu entwickeln, einer gut geleiteten Erziehung von Kindheit auf, und zwar sind hier die Eltern selbst, die ganze Umgehung die ersten und besten Erzieher; ihr Beispiel, ihre Lehren wirken mehr als Lesen und Lernen oder Catechismus und Kinderlehren. Während so bei Zeit sittliche Kraft und jede Tugend so gut als richtiges Selhstver trauen zu fördern, Troz und Eigensinn, niasslose Selbstsucht dagegenl zu brechen ist, mache man schon die Jugend bekannt mit der wirk-| liehen Welt, noch bevor sie ihren Kopf mit der fingirten der Poesie der Romane u. s. 1'. füllen kann. Man gewöhne sie an ruhiges Ei tragen und Ausdauer, an Selbstbeherrschung, noch bevor die Leiden schäften kommen und sie beherrschen. Für’s practische Leben frei lieh kann sie nur durch’s Leben selbst erzogen werden, wie sie and nur im Wasser schwimmen lernt. Doch darf man der Jugend wob sagen, in welche Welt und Gesellschaft sie einzutreten, was sie hiei| zu erwarten hat, Avas nicht, und dass es zwei sehr A^erschiedene Mo ralen gibt, eine die man sie lehrt und eine die sie fast allerAvärL] angeAvandt finden Avird. Denn um in dei- Welt fortzukommen nius man sich oft wohl oder übel noch von ganz andern Regeln und Grund-| o ■ säzen leiten lassen als denen der strengen Moral odei- des Catechis- 1 mus Im Alter endlich, avo der Mensch allniälig Avieder so scliAvacl und hülfshedürftig Avird Avie das Kind, kommt es vor Allem daran an, sich die Lebenslust nicht ganz abhanden kommen zu lassen umi sich vor Indifterenz, Apathie Avie LangeAveile zu beAvahren. Man er-j halte sich deshalb noch in einiger Verbindung mit Welt und Menschen zumal Jüngeren, Leljensfrischeren, habe stets seine Aufgaben un Zwecke, also eine Tliätigkeit, Avodurch sich zugleich die geistige! Ifiihigkeiten so gut als die })hysischen am besten erhalten Auel der Greis darf immer no(di Eines lieben und fördern, das Gute uu(| Wahre, darf Eines bekäinj)f('ii helfen, das Schlechte und Falsche. Wi ini Unglück helfen aber jezt Bildung und Wissen selten allein, auclj nicht l)losse IMiilosopliic; es gehört noch eine gCAvisse innere, mein w.arum ein gewisser Mutli, eine gewisse Cli.aractorfostigkeii und .Scllislbcherrschung de Kern aller Tugend ist. ' Deshalb bildet .auch das Loben in der AVclt selten genug Cliaractere, ja verdirb sie gewöhnlich mehr. Um so gerner halt man sich drunter hinein an die lingirte, ideal AVelt der Romane, Schausiiielc, ist froh, hier Alles besser, gerechter zu finden als in de i I wirklichen, und liebt vielleicht selbst schliesslich Tugend wie AVahrheit und Recht nupii noch in jener. »jAIanet ingenium senibiis, modo jiermaneant Studium et industriac sagt Cicero. I](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0816.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


