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Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
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![G8 lässt sich noch Anderes erfahren, so besonders die Elasticität oder Spannkraft des Wasserdainpfs, dessen Gewicht z. ß. in 1 Cuh.Fuss Luft, also deren absolute Feuchtigkeit, ebenso das Gewicht z. ß. eines Cuh.Fusses Luft hei verschiedenen Wärme- und Feuchtigkeitsgraden, was Alles nach den Formeln und iabellen eines August, llegnault, Lainont u. A. leicht zu ermitteln. Auch erläutern schon viele Thatsachen des täglichen Lebens die Phänomene des Thaupunkts; wenn sich z. ß. kalte Fensterscheiben oder in’s warme Zimmer gebrachte Weinflaschen aussen rrrit Thau bedecken, und so lange bis die Tem- peratur des Glases über derjenigerr des Thaupuirktes steht; ebenso das Feucht- werden oder ßethauen der Zirrrrn er wände, wenn z. ß. auf kalte Witterung eine wärmere folgt, weil ihre Temperatur nicht sofort über diejenige des Thauirunktes steigen konnte, während ihre Feuchtigkeit schwindet, sobald lezteres eintrat. Obiges erklärt zugleich, waruirr uns die Feuchtigkeit der Luft erst dann bernerklich wird, wenn leztere mehr Wasserdampf enthält als ihrer Capacität für denselben bei einer bestimmten Temperatur entspricht und somit eine Ver- dichtung des Wasserdampfs zu Wasser eintritt; auch heisst im gemeinen Leben nur diejenige Luft feucht, welche mit Wasserdampf bei dieser bestimmten Tem- peratur übersättigt ist. Deshalb kann eine warme Luft, z. ß. in geheizten Zim- mern sehr viel Wasserdampf enthalten, ohne uns feucht zu erscheinen, während umgekehrt eine kalte Luft, z. ß. in ungeheizten Räumen, in Kellergewölben, Höhlen troz ihres viel geringeren Dampfgehalts auf unser Gefühl den Eindruck grosser Feuchtigkeit macht, einfach weil ihre Capacität für Wasserdampf viel kleiner und somit ihr l’haupunkt viel niedriger ist '. Weil ferner die relative Feuchtigkeit im Allgemeinen um so grösser ist je kälter die Luft, liegt überhaupt der Thaupunkt parallel ihrer Kälte der Lufttemperatur immer näher; derselbe ist so z. B. in grossen Höhen meist nur wenig verschieden von dieser, und in der Polarzone derselben sogar ganz nahe, wo nicht gleich^. Je trockener da- gegen die Luft, desto tiefer liegt unter sonst gleichen Umständen der Thaupunkt unter der Lufttemperatur, und ist deshalb z. ß. in Nordamerica tiefer als bei uns. In Tropenländern aber liegt derselbe meist viel höher, d. h. nicht entfernt so tief unter der Lufttemperatur, weil hier der Dampfgehalt der Luft dem Sät- tigungspunkt viel näher steht als anderswo. Ueberhaupt hängt also schliesslich die Fähigkeit des Wasserdampfs, seine Dampfform in der Atmosphäre z\i erhalten, ganz besonders vom jeweiligen Grad ihrer Wärme und’ihres Druckes ab; durch erstere wird dieselbe vermehrt, dixrch lezteren vermindert, und beide wirken so einander entgegen. Mit der Entfer- imng von der Erde nach oben zu nehmen aber beide ab. §. 11. Mit all jenen so vielfachen Wechseln der absoluten und relativen Feuchtigkeit des Lnftkreises wie seiner Temperatur ist auch die Veranlassung zu einer Menge ebenso wechselnder Witternngs- ])hänomene gegeben. Ja sogar alle Wechsel der Witterung lassen sich schliesslich auf ein Vorwiegen oder eine Verminderung des Wasser- ' I)a.sselbe findet bei Einwirkung der Luftfeuchtigkeit auf Haar-Hygrometer statt, z. B. auf Sau.ssure’s, d. h. warme Luft kann viel Wasserdampf enthalten und doch vom Hygrometer als trocken bezeichnet werden, während es sich bei niedriger Temperatur umgekehrt verhält. Auch ist deshalb bei hygromotrischen Beobachtungen dieser Art stets zugleich und vor Allem die jeweilige Temperatur mit in Rechnung zu nehmen. Parry z. B. fand hier beide selbst ira Sommer = 10'* C.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0082.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


