Licence: Public Domain Mark
Credit: Handbuch der hygieine, der privaten und Offentlichen / von Fr. Oesterlen. Source: Wellcome Collection.
Provider: This material has been provided by the Royal College of Physicians of Edinburgh. The original may be consulted at the Royal College of Physicians of Edinburgh.
822/960 page 808
![hätte sich vor morosem, hypochondrischem Wesen, vor Indigestion, Hämorrhoiden, Gicht, vielen Nerven- und Geisteskrankheiten bewahren können, wäre er bei Zeit darauf bedacht gewesen, auch diesen Forderungen seiner Natur zu genügen h Hätte die^ leztere bei Zeit dagegen protestirt, sie würden vielleicht ihre verkehrte Lebensw'eise eher geändert haben. Leider ist dem selten so; die Natur lässt sich viel gefallen und führt eine lange Rechnung mit ihren Kindern. Erschö- piung, Ruin summiren sich ganz allmälig, im Stillen und meist unbeachtet, weil nicht controlirt, nicht beabsichtigt, und beim Ueberarbeiten wue beim Betrinken merkt man so das Unglück erst wenn es da ist. Hier wäre es nicht am Ort, all die Genüsse und Freuden des Menschen wie der \ölker in ihrer Wirkungsweise und hygieinischen Bedeutung erörtern oder gar eine förmliche Iheorie und Kunst des Vergnügens liefern zu wollen, von den Schnurren und Possen, den Wiz-, Spassmachern und Hofnarren des Mittelalters^ bis zu den Salons, Spieltischen, Concerten, Schaubühnen oder Knei- pen, Picknicks u. s. f. unserer Taget Auch bei Reisen, so erspriesslich für Körper wie Geist, ist Sorge für Gesundheit, Erholung der einzige für uns hier wichtige Gesichtspunkt. Man wähle dem entsprechend Zeit und Dauer, Art und Ziel der Reise, sorge neben Geld für heitern Sinn, gute Laune,'lasse deshalb Geschäfte, Widerwärtiges zu Haus und bedenke, dass die Kunst des Vergnügens auch hier vielfach mit der Kunst des Sichselbstvergessens wie des geduldigen Ertragens znsammenfällt. Kränkliche, Schwächliche aber be- dürfen doppelter Vorsicht hinsichtlich Witterung, .lahreszeit, Comfort u. s. f. Dem Kind leistet Spielen, Tummeln im Freien dasselbe und lässst sich durch Nichts ersezen; für Erwachsene dagegen werden die besten Vergnügen immer, solche sein, wo zugleich andere wichtigere Zwecke verfolgt werden , wie z. B. ] bei Leibesübungen, Billard, .Tagen, Schiessen oder Musik u. a. §. 16. Nur eines dieser Genussmittel bedarf liier einer näheren Würdigung, der Tabalc, wie dersellie bald geraucht bald geschnupft und sogar gekaut wird. Mag auch sein Gebrauch mit manchen Xach- theilen und Gefahren verbunden sein, zumal bei Jüngeren und Unge-; wohnten, so beweist doch anderseits schon seine weite und täglich! steigende Verbreitung über die ganze Erde, bei allen Ständen, °dass ' Auch ein Boerhaavo lag in Folge von Ueberarbeiten Monate durch im Delirium ugoi waren Andere und Viele der Tüchtigsten. Cromwell z. B. spielte Blindekuh mit Semen Leuten, Richelieu tanzte und hüpfte, Ariost war ein Giirtner, fJeilich ein sclUeLer und wahrend ein Socrates, Plato, Anstophanes so gut als Alexander von Macedonien’ Irajan oder lasse, Montaigne, Coleridge, Addison, Fiolding, Sterne, Pope, Moore Byron’ Mozart, Lessing u. A mehr oder weniger gute Lebemänner, wo nicht Trinker und’schlem- rner waren machte Ludwig XVl. von Frankreich nebenher Schlösser, Franz II von Oe“t- roioh_ Siegellack und Kästchen. lonuesi 2 j jej. besonders die nationalen Vergnügungen wechseln je nach Land, Character, Geschmack, Gelegenheit u. s. f.; den Einlluss der Kirche aber zeigen z. L. katholische wie griechische Länder mit ihien vielen Feiertagen, und als ande^res Lx rem Schottland mit seiner puritanischen Sonntagsfeier, welche jede öffentliche Freude und Bewegung hindert. In Portugal hat das .Fahr kaum 100 Werktage, sonst lauter Feier- und Festtage, auch m Griechenland bestand cs noch vor 40 Jahren zu 'Gs aus solchen, und Russland ist noch heute überreich daran; denn mehr als ein RuheUi- p Woche ist ebenso überllüssig als schädlich. Bei uns scheint man oft fast nur zu leben um zu arbeiten, ini Süden oft mehr um zu genie.ssen ; immer ist cs aber ein Zeichen bc- dem a»usfr,°'L r ''T“™ f’ “'t Sobicbliohkoit ,„,s aem Genuss des Lebens und seiner Ireuden verschwunden sind.](https://iiif.wellcomecollection.org/image/b21907298_0822.jp2/full/800%2C/0/default.jpg)


